Die BaFin nimmt 2026 den Schaden-Unfall-Bereich unter die Lupe und verlangt einen starken Governance-Rahmen beim KI-Einsatz. Wer keinen hat, fällt auf.

Mai 6, 2026
Recht
Die Aufsicht setzt die Prioritäten
Für 2026 zeichnet sich ab, worauf die BaFin bei Versicherern besonders achtet. Nach der Analyse des Kundennutzens von Lebensversicherungsprodukten im Jahr 2025 nimmt die Aufsicht den Schaden-und-Unfall-Bereich stärker unter die Lupe. Zugleich legt sie ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung und Etablierung eines starken Governance-Rahmens, insbesondere beim Einsatz von KI-Technologien. Wer keinen solchen Rahmen hat, fällt auf.
Diese Prioritäten sind kein Geheimnis, sondern wurden von der Aufsicht offen kommuniziert. Das ist eine Chance für die Versicherer, sich vorzubereiten, bevor die Prüfung kommt. Wer die Signale ernst nimmt, kann seine Hausaufgaben rechtzeitig machen. Wer sie ignoriert, riskiert, in der Prüfung unangenehm aufzufallen, und zwar in genau den Bereichen, die die Aufsicht angekündigt hat.
Der Fokus auf Schaden und Unfall
Die Ausweitung der Wohlverhaltensaufsicht auf den Schaden-und-Unfall-Bereich folgt einer klaren Logik. In der Lebensversicherung hat die intensivierte Aufsicht bereits gewirkt, was sich in einem deutlichen Rückgang der Effektivkosten bei fondsgebundenen Produkten zeigt. Diesen Erfolg will die Aufsicht auf weitere Sparten übertragen, und der Schaden-und-Unfall-Bereich ist die nächste Station.
Im Fokus stehen dabei die Preisgestaltung und die Beitragsanpassungen. Transparente und risikoadäquate Preise sind die Erwartung der Aufsicht, besonders in der Kfz-Versicherung. Kritisch betrachtet wird das sogenannte Price-Walking, also wiederholte Beitragserhöhungen ohne Bezug zum tatsächlichen Risiko oder zu gestiegenen Kosten. Auch Rabattmöglichkeiten, die nicht auf dem tatsächlichen Produkt-Risiko basieren, will die Aufsicht genauer beleuchten.
Für die Versicherer im Schaden-und-Unfall-Bereich bedeutet das, ihre Preisgestaltung auf den Prüfstand zu stellen, bevor die Aufsicht es tut. Lässt sich jede Preisdifferenzierung mit dem Risiko begründen? Sind die Beitragsanpassungen nachvollziehbar an Risiko oder Kosten gekoppelt? Wer diese Fragen vorab beantwortet, geht der Prüfung gelassen entgegen. Wer sie offenlässt, muss damit rechnen, dass die Aufsicht genau hier nachfragt.
Der Governance-Rahmen für KI
Der zweite Schwerpunkt ist der Governance-Rahmen, insbesondere beim Einsatz von KI. Die Aufsicht erwartet, dass Versicherer, die KI einsetzen, dies in geordneten Bahnen tun: mit klaren Verantwortlichkeiten, mit nachvollziehbaren Prozessen, mit einer wirksamen Kontrolle. Es genügt nicht, KI einzusetzen, man muss auch belegen können, dass man sie beherrscht. Genau das ist mit einem starken Governance-Rahmen gemeint.
Diese Erwartung ist anspruchsvoll, weil KI in vielen Häusern schneller eingeführt wurde, als die Governance nachziehen konnte. Die Werkzeuge sind da, die Anwendungen laufen, aber der Rahmen, der ihren Einsatz ordnet, fehlt oft noch. Genau diese Lücke wird die Aufsicht sichtbar machen. Ein Versicherer, der KI einsetzt, ohne einen Governance-Rahmen vorweisen zu können, fällt auf, und zwar negativ.
Ein guter Governance-Rahmen für KI regelt, wer für welche KI-Anwendung verantwortlich ist, wie die Anwendungen geprüft und überwacht werden, wie ihre Ergebnisse nachvollziehbar bleiben und wie mit Fehlern umgegangen wird. Er stellt sicher, dass die KI nicht unkontrolliert wirkt, sondern in geordnete Verantwortlichkeiten eingebettet ist. Dieser Rahmen ist nicht nur eine Erwartung der Aufsicht, sondern auch im eigenen Interesse, weil er die Risiken beherrschbar macht.
Warum Governance mehr ist als Dokumentation
Ein verbreitetes Missverständnis ist, Governance bestehe vor allem aus Dokumenten. Man schreibt Richtlinien, legt Verantwortlichkeiten auf dem Papier fest und hält das Thema für erledigt. Doch ein Governance-Rahmen, der nur aus Dokumenten besteht, hält keiner Prüfung stand, weil die Aufsicht nicht nach Papier fragt, sondern nach gelebter Praxis. Entscheidend ist, ob die Verantwortlichkeiten tatsächlich wahrgenommen werden, ob die Kontrollen wirklich greifen und ob die Prozesse im Alltag funktionieren.
Ein wirksamer Governance-Rahmen ist deshalb in die Organisation eingebettet, nicht ihr vorangestellt. Er besteht aus Menschen, die ihre Verantwortung kennen und wahrnehmen, aus Kontrollen, die regelmäßig durchgeführt werden, aus Prozessen, die nachvollziehbar dokumentiert sind. Diese gelebte Governance lässt sich nicht über Nacht herstellen, sondern muss aufgebaut und eingeübt werden. Genau deshalb ist es klug, jetzt damit zu beginnen, bevor die Prüfung kommt.
Der Zusammenhang von Schaden und KI
Auf den ersten Blick wirken die beiden Schwerpunkte der BaFin, der Schaden-und-Unfall-Bereich und die KI-Governance, unverbunden. Tatsächlich hängen sie zusammen. Denn gerade im Schaden-und-Unfall-Bereich kommt KI verstärkt zum Einsatz, bei der Preisgestaltung, bei der Risikobewertung, bei der Schadenregulierung. Die Preisdifferenzierungen, die die Aufsicht kritisch prüfen will, werden zunehmend von KI-Modellen erzeugt. Damit treffen die beiden Schwerpunkte genau dort aufeinander, wo KI die Preise bestimmt.
Das bedeutet, dass ein Versicherer, der seine Preisgestaltung im Schaden-und-Unfall-Bereich begründen muss, zugleich seine KI-Modelle erklären können muss. Wenn ein Preis von einem KI-Modell errechnet wird, dann verlangt die aufsichtliche Frage nach der Begründung des Preises eine Antwort darüber, wie das Modell zu seinem Ergebnis kommt. Eine intransparente KI, deren Preislogik niemand erklären kann, wird damit zum doppelten Problem: bei der Preisgestaltung und bei der Governance.
Erklärbarkeit als Schlüssel
Daraus folgt, dass die Erklärbarkeit der KI zum Schlüssel wird. Ein Versicherer muss in der Lage sein zu erklären, warum sein KI-Modell zu einem bestimmten Preis oder einer bestimmten Entscheidung kommt. Das ist anspruchsvoll, weil komplexe Modelle oft schwer zu durchschauen sind, aber es ist die Voraussetzung dafür, sowohl die Preisgestaltung zu begründen als auch die Governance-Anforderungen zu erfüllen. Erklärbarkeit ist damit nicht ein technisches Detail, sondern eine zentrale aufsichtliche Anforderung.
Wer seine KI-Modelle von Anfang an auf Erklärbarkeit auslegt, erfüllt damit gleich mehrere Anforderungen zugleich. Er kann seine Preise begründen, er kann seine Governance belegen, und er behält selbst den Überblick darüber, was seine Modelle tun. Ein Versicherer, der dagegen auf undurchschaubare Modelle setzt, sammelt ein Problem an, das ihn in der nächsten Prüfung einholt. Die Investition in erklärbare KI zahlt sich deshalb doppelt aus, im Geschäft und in der Aufsicht.
Die Signale ernst nehmen
Dass die BaFin ihre Prioritäten offen kommuniziert, ist ein Geschenk, das viele Häuser nicht zu schätzen wissen. Die Aufsicht sagt im Voraus, worauf sie achten wird, und gibt damit jedem Versicherer die Gelegenheit, sich vorzubereiten. Wer diese Signale ernst nimmt, kann seine Hausaufgaben in Ruhe machen, statt unter dem Druck einer laufenden Prüfung zu reagieren. Die Signale zu ignorieren, weil die Prüfung noch nicht da ist, wäre dagegen ein vermeidbarer Fehler.
Die Erfahrung aus der Lebensversicherung zeigt, dass die Aufsicht ihre angekündigten Schwerpunkte konsequent verfolgt und dass ihre Maßnahmen wirken. Der deutliche Rückgang der Effektivkosten bei fondsgebundenen Produkten belegt, dass die intensivierte Aufsicht reale Folgen hat. Wer daraus nicht schließt, dass die angekündigte Ausweitung auf den Schaden-und-Unfall-Bereich ähnlich konsequent verfolgt wird, unterschätzt die Aufsicht. Die Ankündigung ist ernst gemeint, und die Vorbereitung sollte es auch sein.
Wer vorbereitet ist, fällt positiv auf
Die Formulierung, wer keinen Rahmen habe, falle auf, lässt sich auch umkehren: Wer einen belastbaren Rahmen hat, fällt ebenfalls auf, nur positiv. Ein Versicherer, der seine Preisgestaltung sauber begründet und seinen KI-Einsatz mit einer gelebten Governance unterlegt, zeigt der Aufsicht, dass er seine Risiken im Griff hat. Das schafft Vertrauen, und Vertrauen bei der Aufsicht ist ein Wert an sich, der über die einzelne Prüfung hinaus wirkt.
Vorbereitung als Wettbewerbsvorteil
Die angekündigten Prioritäten der BaFin sind eine Einladung zur Vorbereitung. Ein Versicherer, der seine Preisgestaltung im Schaden-und-Unfall-Bereich sauber begründet und einen belastbaren Governance-Rahmen für KI etabliert hat, geht der Prüfung nicht nur gelassen entgegen, sondern verschafft sich auch einen Vorteil. Denn die Arbeit, die für die Aufsicht nötig ist, macht das Haus auch besser: transparenter in der Preisgestaltung, kontrollierter im KI-Einsatz.
Mehr zum Thema: KI-Governance in Versicherungen: Die BaFin macht Ernst. und BaFin-Risikobericht 2026: KI ist nicht das Risiko – fehlende Governance ist es.
Wer dagegen wartet, bis die Prüfung kommt, gerät unter Druck und muss unter Zeitnot nachholen, was er versäumt hat. Die Vorbereitung ist deshalb kein lästiger Aufwand, sondern eine Investition, die sich doppelt auszahlt: in der Prüfung und im Betrieb. Wir helfen Ihnen, Ihre Preisgestaltung prüfungsfest zu begründen und einen belastbaren Governance-Rahmen für Ihren KI-Einsatz zu etablieren, bevor die Aufsicht nachfragt. Aus der Branche, für die Branche. Beginnen Sie mit einem Workshop.
Bei einem digitalen Kaffee klären wir, welche Möglichkeiten für das Projekt sinnvoll sind – unverbindlich, persönlich und mit einem klaren Blick auf die nächsten Schritte.


