Die EZB plant Pontes für Q3 2026. Was nach Infrastruktur klingt, ist eine strategische Weichenstellung für das Einlagengeschäft jeder Bank.

Mai 12, 2026
Transformation
Infrastruktur oder strategische Bedrohung?
Die Europäische Zentralbank treibt den digitalen Euro voran. Im dritten Quartal 2026 soll Pontes starten, eine auf Distributed-Ledger-Technologie beruhende Lösung, mit der Zentralbankgeld für Großtransaktionen im Interbankenverkehr nutzbar wird und die mit den bestehenden Abwicklungsinfrastrukturen verbunden ist. Parallel bereitet die EZB den Retail-Euro für die Verbraucher vor, dessen mögliche Ausgabe nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens etwa 2029 erwartet wird.
Was nach reiner Infrastruktur klingt, ist in Wahrheit eine strategische Weichenstellung. Denn ein digitaler Euro, der von Verbrauchern direkt als Zentralbankgeld gehalten werden kann, verändert den Wettbewerb um die Kundengelder. Geld, das im digitalen Euro gehalten wird, liegt nicht mehr als Einlage bei der Bank, und Einlagen sind die Grundlage des Bankgeschäfts.
Warum das Einlagengeschäft betroffen ist
Die Banken finanzieren ihr Geschäft zu einem erheblichen Teil über die Einlagen ihrer Kunden. Wenn ein Teil dieser Einlagen in den digitalen Euro abwandert, der direkt bei der Zentralbank gehalten wird, schrumpft diese Finanzierungsbasis. Genau aus diesem Grund sind Obergrenzen für die Menge an digitalen Euro vorgesehen, die eine Privatperson halten kann, um eine Abwanderung der Einlagen und eine Schwächung der Banken zu verhindern.
Doch selbst mit Obergrenzen verschiebt sich etwas Grundlegendes. Der digitale Euro schafft eine direkte Beziehung zwischen dem Verbraucher und der Zentralbank, an der die Bank nicht mehr zwingend beteiligt ist. Wer den Kanal zum Kunden besitzt, besitzt die Beziehung. Wer nur noch die technische Abwicklung im Hintergrund leistet, verliert den direkten Draht und damit einen Teil seiner Bedeutung für den Kunden.
Zwei Projekte, eine Strategie
Wichtig ist, die beiden Vorhaben auseinanderzuhalten und zugleich als Teil einer Strategie zu begreifen. Pontes betrifft den Interbankenverkehr und die Abwicklung großer Transaktionen mit Zentralbankgeld auf Basis moderner Technologie. Der Retail-Euro betrifft die Verbraucher und ihr Verhältnis zur Zentralbank. Beide gehören zur selben übergeordneten Absicht: Zentralbankgeld auch im Zeitalter der Digitalisierung als stabilen Anker des Finanzsystems zu erhalten.
Für die Banken haben die beiden Vorhaben unterschiedliche Konsequenzen. Pontes verändert die Abwicklung im Interbankenverkehr und betrifft vor allem die technische Infrastruktur. Der Retail-Euro berührt das Einlagengeschäft und damit das Geschäftsmodell. Beide zusammen zeigen, dass die Digitalisierung des Zentralbankgeldes kein Randthema ist, sondern den Kern des Bankgeschäfts berührt, von der Abwicklung bis zur Finanzierung.
Die Weichenstellung bewusst treffen
Die eigentliche Botschaft ist, dass die Banken jetzt eine Weichenstellung treffen müssen, bevor andere es tun. Wer den digitalen Euro als bloße Infrastruktur behandelt, die man erdulden muss, überlässt die Gestaltung anderen. Wer ihn als strategische Frage begreift, kann seine Rolle als Kanal zum Kunden sichern und den digitalen Euro in sein Angebot integrieren, statt ihn als Bedrohung zu erleben.
Die Zeit dafür ist jetzt, denn die Infrastruktur wird gerade gebaut und die Rollen werden gerade verteilt. Wer wartet, bis der digitale Euro da ist, kommt zu spät, um seine Rolle aktiv zu gestalten. Wir helfen Ihnen, den digitalen Euro frühzeitig strategisch einzuordnen und Ihre Position zu sichern, bevor die Weichen ohne Sie gestellt werden.
Was Banken jetzt entscheiden müssen
Die EZB setzt bewusst auf ein Modell, in dem die Banken den digitalen Euro an die Kunden ausgeben und die Kundenschnittstelle gestalten. Darin liegt die Chance, denn die Banken können entscheiden, ob sie diese Rolle aktiv ausfüllen oder sie anderen überlassen. Wer den digitalen Euro früh und gut in seine Angebote einbindet, bleibt der Kanal zum Kunden. Wer abwartet, riskiert, dass andere diese Rolle besetzen.
Die Entscheidung, die jetzt ansteht, ist also nicht, ob der digitale Euro kommt, denn das ist absehbar, sondern wie man ihn gestaltet. Will die Bank den digitalen Euro als integralen Teil ihres Kundenangebots begreifen, der die Beziehung stärkt? Oder behandelt sie ihn als lästige Infrastruktur, die sie nur erdulden muss? Diese Weichenstellung sollte bewusst getroffen werden, bevor andere sie für die Bank treffen.
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Wir helfen Ihnen, den digitalen Euro frühzeitig als strategische Frage zu behandeln und Ihre Rolle als Kanal zum Kunden aktiv zu sichern, statt sie der Entwicklung zu überlassen. Beginnen Sie mit einer Sprechstunde.
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