Fachkräftemangel im Banking: KI und Ausbildung gegen den Wissensverlust

Fachkräftemangel im Banking: KI und Ausbildung gegen den Wissensverlust

Atruvia und Finanz Informatik gründen einen dualen Studiengang. Warum Ausbildung und KI gegen den Wissensverlust zusammengehören.

Juli 15, 2026

Organisation

Der Nachwuchs entsteht nicht von allein

Der Fachkräftemangel trifft die Banken-IT an der Wurzel, und die größten Digitalisierungspartner reagieren gemeinsam. Atruvia, Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken, und die Finanz Informatik, Dienstleister der Sparkassen, starten ab dem Wintersemester 2026/27 einen gemeinsamen dualen praxisintegrierenden Informatik-Studiengang an der FH Münster. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in der IT entgegenzuwirken und ein attraktives Bildungsangebot zu schaffen.

Warum zwei Wettbewerber zusammenarbeiten

Als Digitalisierungspartner der VR-Banken und der Sparkassen haben beide Unternehmen einen hohen Bedarf an hochspezialisierten IT-Fachkräften. Auf dem Technologie-Campus Steinfurt werden die Studierenden gemeinsam in einem mitentwickelten Studienmodell ausgebildet, das Studium dauert sechs Semester und endet mit einem Bachelor-Abschluss. Atruvia bildet jährlich rund 85 Nachwuchskräfte aus, die Finanz Informatik rund 90. Der gemeinsame Studiengang erlaubt beiden, an der Gestaltung des Curriculums mitzuwirken.

Der zweite Engpass: Wissen geht in Rente

Neben dem Mangel an neuen Kräften droht ein zweiter Verlust: das Erfahrungswissen ausscheidender Mitarbeitender. Wenn langjährige Spezialisten das Haus verlassen, gehen Prozesskenntnis und Fällwissen mit. Ausbildung allein löst das nicht, weil neue Kräfte dieses Wissen erst aufbauen müssen. Warum Ausbildung allein das Problem nicht löst, haben wir separat beleuchtet.

Wie KI den Wissensverlust abfedert

Hier setzen KI-Wissensplattformen an. Sie konservieren bankinternes Wissen und stellen es kontextgenau bereit, sodass neue Mitarbeitende schneller produktiv werden und ausscheidende Kräfte weniger Lücken hinterlassen. Wie groß der drohende Wissensverlust bis 2030 in der Finanzbranche ausfällt, zeigt die Datenlage deutlich.

Warum beides zusammengehört

Ausbildung und KI sind keine Alternativen, sondern zwei Seiten derselben Antwort. Neue Fachkräfte bringen frisches Know-how, KI-Plattformen sichern das bestehende. Institute, die nur auf Recruiting setzen, kämpfen gegen einen Markt, in dem alle um dieselben Talente konkurrieren. Institute, die nur auf KI setzen, riskieren Plattformen ohne gepflegte Quellen. Der duale Studiengang und die KI-gestützte Wissenssicherung wirken deshalb erst zusammen.

Was einzelne Häuser jetzt tun können

Nicht jede Bank kann einen Studiengang gründen. Aber jedes Haus kann sein Erfahrungswissen systematisch erfassen, in einer KI-gestützten Wissensbasis verankern und Onboarding-Prozesse damit beschleunigen. Der erste Schritt ist die Identifikation der kritischen Wissensträger und der Prozesse, deren Verlust am teuersten wäre.

Warum duale Modelle wirken

Duale Studiengänge verbinden wissenschaftliche und praxisnahe Ausbildung. Für die Digitalisierungspartner der Banken bedeutet das, angehende IT-Fachkräfte von Beginn an mit Banking-Technologie vertraut zu machen und die Verantwortung zu vermitteln, die damit verbunden ist. Die FH Münster fördert zudem seit Längerem eine Stiftungsprofessur im Bereich IT-Sicherheit, was den Schulterschluss zwischen Hochschule und Praxis vertieft.

Der Markt um Talente bleibt eng

Deutschland wird auch künftig Fachkräfte brauchen, um die Digitalisierung des Bankings voranzutreiben. Der Wettbewerb um dieselben Profile ist hart, und Ausbildung wirkt erst mittelfristig. Deshalb ist die Kombination aus eigenem Nachwuchs und KI-gestützter Wissenssicherung die realistische Antwort, nicht die Wahl zwischen beidem.

Warum Onboarding zum Testfall wird

Der Nutzen von Wissenssicherung zeigt sich zuerst im Onboarding. Neue Mitarbeitende, die Fragen an eine gepflegte Wissensplattform stellen können, werden schneller produktiv und binden weniger Zeit erfahrener Kolleginnen und Kollegen. Damit wird das Onboarding zum praktischen Testfall, ob Wissen wirklich gesichert ist oder nur in den Köpfen einzelner Personen liegt.

Sotica hilft Instituten, Wissenssicherung und KI-Enablement zusammenzudenken: von der Erfassung kritischen Wissens bis zur Verankerung im Arbeitsalltag. Vereinbaren Sie eine Sprechstunde.

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