Im Firmenkundengeschäft wird KI laut BaFin selten eingesetzt. Dabei ist das SME-Segment ideal für automatisierte Kreditvorbereitung, Liquiditätsanalyse und F...

Apr 29, 2026
Transformation
Der am meisten vernachlässigte Anwendungsfall
Der Risikobericht der Aufsicht für 2026 beschreibt klar, dass KI bei der Kreditwürdigkeitsprüfung bisher selten eingesetzt wird. Gerade im Firmenkundengeschäft ist das überraschend, denn hier liegt der höchste manuelle Aufwand und zugleich das größte Standardisierungspotenzial. Während im Privatkundengeschäft viel über KI gesprochen wird, bleibt das Firmenkundengeschäft, insbesondere das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen, ein blinder Fleck der KI-Anwendung.
Das ist eine verpasste Chance, denn kaum ein Bereich eignet sich so gut für KI wie die Kreditvorbereitung im Firmenkundengeschäft. Die Unterlagen, die ein Firmenkunde einreicht, von der betriebswirtschaftlichen Auswertung über Jahresabschlüsse bis zu Kontoauszügen, sind reich an Information, aber aufwendig auszuwerten. Genau diese Auswertung ist eine Aufgabe, die KI erheblich beschleunigen kann, ohne dass die verantwortliche Entscheidung an die Maschine abgegeben würde.
Warum gerade das SME-Segment passt
Das Segment der kleinen und mittleren Unternehmen ist aus mehreren Gründen ideal für den KI-Einsatz. Erstens ist der Aufwand pro Fall hoch, weil viele Unterlagen manuell gesichtet und bewertet werden müssen. Zweitens ist das Geschäft standardisierbar, weil sich die Unterlagen und die Prüfschritte über viele Fälle ähneln. Drittens ist die Marge pro Fall begrenzt, sodass der manuelle Aufwand die Wirtschaftlichkeit drückt. KI kann hier den Aufwand senken und das Geschäft wieder profitabel machen.
Hinzu kommt, dass die Standardisierung im SME-Segment nicht nur möglich, sondern nötig ist. Viele Banken können das Geschäft mit kleinen Firmenkunden kaum wirtschaftlich betreiben, weil der manuelle Aufwand zu hoch ist. Sie vernachlässigen das Segment oder bedienen es nur halbherzig. KI bietet die Möglichkeit, dieses Segment wieder wirtschaftlich zu erschließen, indem sie die Vorbereitung automatisiert und den Berater auf die Entscheidung und die Beziehung konzentriert.
Was KI konkret leisten kann
Konkret kann KI die betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Jahresabschlüsse eines Firmenkunden auslesen, die relevanten Kennzahlen extrahieren und zu einer übersichtlichen Vorlage verdichten. Sie kann die Kontobewegungen analysieren und Muster erkennen, die für die Liquiditätsbeurteilung relevant sind. Sie kann die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen und fehlende Dokumente benennen. All das sind Arbeiten, die heute Sachbearbeiter binden und die KI in einem Bruchteil der Zeit erledigt.
Das Ergebnis ist eine aufbereitete Entscheidungsgrundlage, die dem Berater die mühsame Vorarbeit abnimmt. Der Berater bekommt nicht eine fertige Kreditentscheidung, sondern eine saubere, vollständige Aufbereitung, auf deren Grundlage er schneller und besser entscheiden kann. Die Liquiditätsanalyse, die heute Stunden dauert, liegt in Minuten vor. Die Vorbereitung, die heute den Engpass bildet, ist nicht mehr der Engpass.
Der Mensch bleibt im Zentrum
Wichtig ist, dass auch im Firmenkundengeschäft der Mensch im Zentrum der Entscheidung bleibt. Die Kreditwürdigkeitsprüfung ist im regulierten Umfeld ein sensibler Bereich, und die Verantwortung für die Entscheidung lässt sich nicht an eine KI delegieren. Die KI bereitet vor, der Mensch entscheidet, das ist auch hier die richtige Aufgabenteilung. Sie verbindet die Effizienz der Automatisierung mit der Verantwortung des Beraters.
Genau diese Aufgabenteilung adressiert auch die Zurückhaltung, die der Risikobericht beschreibt. Wenn KI nur vorbereitet und nicht entscheidet, dann bleibt die Kreditwürdigkeitsprüfung in menschlicher Verantwortung, und die regulatorischen Bedenken gegen einen KI-Einsatz in sensiblen Bereichen greifen nicht. Die Lücke im Firmenkundengeschäft lässt sich also schließen, ohne die sensible Entscheidung der KI zu überlassen, und genau das macht den Anwendungsfall so attraktiv.
Warum das Segment bisher vernachlässigt wurde
Die Vernachlässigung des SME-Segments hat eine lange Vorgeschichte. Das Geschäft mit kleinen Firmenkunden galt als wenig lukrativ, weil der Aufwand hoch und die Marge begrenzt ist. Viele Banken haben es deshalb stiefmütterlich behandelt, die Ressourcen ins lukrativere Geschäft mit großen Firmenkunden oder ins standardisierte Privatkundengeschäft gelenkt und die kleinen Firmenkunden mit einem reduzierten Angebot bedient. Das Segment war zu klein, um es richtig zu bedienen, und zu groß, um es ganz aufzugeben.
Genau diese Logik kehrt KI um. Wenn die Vorbereitung automatisiert wird und der Aufwand pro Fall sinkt, wird das Segment wieder profitabel. Was unwirtschaftlich war, weil es zu viel manuelle Arbeit verschlang, wird wirtschaftlich, weil die Arbeit von der KI übernommen wird. Die Vernachlässigung war eine Folge des hohen Aufwands, und der hohe Aufwand ist genau das, was KI beseitigt. Damit fällt der Grund für die Vernachlässigung weg.
Der Schatz in den Unterlagen
Firmenkunden reichen reiche Unterlagen ein: betriebswirtschaftliche Auswertungen, Jahresabschlüsse, Kontoauszüge, Steuerbescheide. In diesen Unterlagen steckt ein Schatz an Information über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, aber dieser Schatz ist schwer zu heben, weil die Unterlagen unstrukturiert, umfangreich und uneinheitlich sind. Ein Sachbearbeiter braucht Zeit, um sie zu sichten und die relevanten Kennzahlen herauszuziehen.
Genau das Auslesen unstrukturierter Dokumente und das Extrahieren relevanter Kennzahlen ist eine Stärke moderner KI. Sie kann die Unterlagen in Minuten durchdringen, die Kennzahlen extrahieren, Auffälligkeiten markieren und alles in einer übersichtlichen Vorlage verdichten. Der Schatz, der bisher mühsam von Hand gehoben werden musste, wird damit mit geringem Aufwand zugänglich. Das ist der eigentliche Hebel im Firmenkundengeschäft.
Was über die Kreditvorbereitung hinausgeht
Der Nutzen beschränkt sich nicht auf die Kreditvorbereitung. Dieselbe Fähigkeit, Unterlagen auszulesen und Kennzahlen zu verdichten, hilft auch bei der laufenden Betreuung. Eine KI kann die regelmäßig eingereichten Unterlagen eines Firmenkunden auswerten und den Berater auf Veränderungen hinweisen, die eine Ansprache lohnen, etwa einen veränderten Liquiditätsbedarf oder eine wachsende Investitionstätigkeit. Aus der reaktiven Bearbeitung wird so eine vorausschauende Betreuung.
Auch die Früherkennung von Risiken profitiert. Eine KI, die die Kontobewegungen und die wirtschaftlichen Kennzahlen eines Firmenkunden laufend beobachtet, kann Warnsignale früher erkennen als die periodische manuelle Prüfung. Das hilft der Bank, Risiken rechtzeitig zu adressieren, und es hilft dem Kunden, weil eine frühe Ansprache oft bessere Lösungen erlaubt als eine späte. Der Anwendungsfall im Firmenkundengeschäft reicht damit weit über die einmalige Kreditvorbereitung hinaus.
Der erste Schritt ist klein
Wer die Lücke schließen will, muss nicht das gesamte Firmenkundengeschäft auf einmal umstellen. Der erste Schritt ist klein und klar abgegrenzt: ein einzelner, häufiger Anwendungsfall wie das Auslesen der betriebswirtschaftlichen Auswertungen und das Verdichten zur Vorlage. An diesem Anwendungsfall lässt sich der Nutzen zeigen, die Erfahrung sammeln und das Vertrauen der Berater gewinnen, ohne dass das Haus ein großes Risiko eingeht.
Von diesem ersten Anwendungsfall aus lässt sich erweitern, Schritt für Schritt, immer entlang des größten Aufwands und des größten Nutzens. So wächst die KI-Unterstützung organisch in das Firmenkundengeschäft hinein, getragen von den Beratern, die den Nutzen erleben, statt ihnen von oben verordnet zu werden. Genau dieser behutsame, aber entschlossene Weg schließt die Lücke, die der Risikobericht beschreibt.
Eine Lücke, die nicht lange offen bleibt
Die Lücke im Firmenkundengeschäft wird nicht ewig offen bleiben, denn der Nutzen ist zu offensichtlich, als dass alle ihn dauerhaft übersähen. Wer sie als einer der ersten schließt, sichert sich den Vorsprung, solange die Wettbewerber noch zögern. Wer wartet, schließt sie irgendwann auch, aber dann ohne Vorsprung. Der Zeitpunkt des Handelns entscheidet darüber, ob aus der Lücke eine Chance oder nur ein nachgeholtes Versäumnis wird.
Die Lücke ist eine Chance
Dass KI im Firmenkundengeschäft bisher selten genutzt wird, ist für die meisten ein Versäumnis, für die Aufmerksamen aber eine Chance. Wer als einer der ersten die Kreditvorbereitung im SME-Segment mit KI beschleunigt, gewinnt einen Vorsprung: Er kann das Segment wirtschaftlicher bedienen, schneller entscheiden und damit Kunden gewinnen, die anderswo auf langsame Bearbeitung warten. Die Vernachlässigung des Segments durch die Wettbewerber macht den Vorsprung umso wertvoller.
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