Was Sparkassen von N26 lernen können, ohne N26 zu werden.

Was Sparkassen von N26 lernen können, ohne N26 zu werden.

N26 baut KI als Betriebssystem. Sparkassen haben Substanz und Kundennähe. Der Weg ist nicht Imitation, sondern gezielte Übernahme der richtigen Elemente.

Apr 14, 2026

Markt

Lernen, ohne zu imitieren

N26 baut KI als Kern ihres Betriebssystems, schlank, schnell, von Grund auf digital. Die Sparkassen haben etwas anderes: Substanz, Vertrauen und Kundennähe, gewachsen über Jahrzehnte und verankert in der Fläche. Der Reflex, angesichts des Erfolgs der Neobanken deren Modell zu kopieren, ist verständlich, aber falsch. Eine Sparkasse, die versucht, eine N26 zu werden, gibt ihre Stärken auf, ohne die Stärken der Neobank je zu erreichen.

Der richtige Weg ist deshalb nicht die Imitation, sondern die gezielte Übernahme der richtigen Elemente. Man kann von einem Wettbewerber lernen, was er gut macht, ohne sein gesamtes Modell zu übernehmen. Die Kunst besteht darin, die übertragbaren Elemente zu erkennen, sie an die eigenen Verhältnisse anzupassen und sie mit den eigenen Stärken zu verbinden, statt diese aufzugeben.

Was übertragbar ist

Übertragbar ist zunächst die Mühelosigkeit der Bedienung. N26 hat vorgemacht, wie einfach Banking sein kann, wenn die Prozesse konsequent vom Nutzer her gedacht werden. Eine Sparkasse kann diese Mühelosigkeit in ihre eigenen digitalen Kanäle übernehmen, ohne ihr Geschäftsmodell zu ändern. Es geht darum, die Hürden zu beseitigen, die das digitale Banking unnötig kompliziert machen, und den Kunden einen reibungslosen Ablauf zu bieten.

Übertragbar ist zweitens die Geschwindigkeit. Neobanken eröffnen Konten in Minuten, treffen Entscheidungen schnell und liefern sofort. Eine Sparkasse kann lernen, ihre Prozesse zu beschleunigen, indem sie die Routine automatisiert und die Wartezeiten verkürzt. Das verlangt keine Aufgabe der Substanz, sondern eine Modernisierung der Abläufe, die die Substanz schneller verfügbar macht.

Übertragbar ist drittens die datengestützte Personalisierung. Neobanken nutzen die Daten ihrer Kunden, um passende Angebote zur richtigen Zeit zu machen. Eine Sparkasse, die über reiche Kundendaten verfügt, kann dasselbe tun, und dank ihrer tieferen Kundenbeziehung sogar besser. Die Personalisierung ist ein Element, das die Sparkasse von der Neobank übernehmen und mit ihrer eigenen Kundennähe verbinden kann.

Was nicht übertragbar ist und auch nicht sein muss

Nicht übertragbar ist das Modell der reinen Digitalbank ohne Filialen und ohne persönliche Beratung. Das ist auch gut so, denn genau hier liegt die Stärke der Sparkasse. Die persönliche Beratung in komplexen Lebenslagen, die Präsenz in der Region, das Vertrauen, das aus realer Nähe entsteht, all das kann und soll die Sparkasse nicht aufgeben, um einer Neobank zu ähneln. Diese Elemente sind ihr Vorteil, nicht ihr Ballast.

Die Kunst besteht darin, die übernommenen Elemente, die Mühelosigkeit, die Geschwindigkeit, die Personalisierung, mit den unverzichtbaren eigenen Stärken zu verbinden. Eine Sparkasse, die das digitale Erlebnis einer Neobank bietet und zugleich die persönliche Beratung und die regionale Verankerung bewahrt, hat das stärkere Gesamtangebot. Sie verbindet, was die Neobank nicht hat, mit dem, was die Neobank gut macht.

Der reflexhafte Fehler

Wenn etablierte Institute auf die Neobanken blicken, machen sie oft einen reflexhaften Fehler: Sie versuchen, die Neobanken auf deren eigenem Feld zu schlagen. Sie wollen ebenso schnell, ebenso schlank, ebenso app-zentriert sein. Doch dieses Rennen können sie kaum gewinnen, denn die Neobanken haben keinen Filialapparat, keine gewachsenen Altsysteme, keine über Jahrzehnte verfestigten Strukturen. Auf dem Feld der reinen Geschwindigkeit und Schlankheit haben sie einen strukturellen Vorsprung.

Der Versuch, sie dort einzuholen, führt deshalb meist in die Frustration. Das etablierte Institut investiert viel, um ein bisschen schneller zu werden, bleibt aber hinter der Neobank zurück und vernachlässigt darüber die eigenen Stärken. Am Ende ist es weder eine gute Neobank noch ein gutes etabliertes Institut, sondern etwas Halbes dazwischen. Genau dieser reflexhafte Fehler ist es, den es zu vermeiden gilt.

Was man von Neobanken lernen kann

Von den Neobanken lässt sich dennoch viel lernen, nur nicht das Kopieren ihres Geschäftsmodells. Lernen lässt sich die Sorgfalt, mit der sie die Kundenerfahrung gestalten. Neobanken denken vom Kunden her: Sie fragen, was der Kunde erleben soll, und bauen den Prozess darum herum. Sie reduzieren Reibung, sie erklären verständlich, sie machen das Banking mühelos. Diese Haltung, die Erfahrung des Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, ist übertragbar, unabhängig vom Geschäftsmodell.

Lernen lässt sich auch die Geschwindigkeit, mit der Neobanken neue Funktionen einführen und verbessern. Sie probieren aus, lernen aus dem Feedback und passen an, statt jahrelang an einer perfekten Lösung zu arbeiten. Diese Bereitschaft, in kleinen Schritten schnell zu lernen, lässt sich auch in einem etablierten Institut kultivieren, ohne dass dieses seine Identität aufgeben müsste. Es geht nicht darum, eine Neobank zu werden, sondern darum, sich ihre besten Arbeitsweisen anzueignen.

Die eigenen Stärken ausspielen

Entscheidend ist, dass das etablierte Institut seine eigenen Stärken ausspielt, statt sie zu vernachlässigen. Eine Sparkasse hat Vertrauen, Nähe, Beratungskompetenz und regionale Verankerung, alles Dinge, die eine Neobank nicht hat. Diese Stärken in eine moderne, gut gestaltete digitale Erfahrung einzubetten, ergibt ein Angebot, das die Neobank nicht kopieren kann. Der Kunde bekommt die Mühelosigkeit der Neobank und das Vertrauen der Sparkasse zugleich.

Das ist die eigentliche Lehre aus dem Vergleich mit den Neobanken: nicht sie kopieren, sondern von ihrer Methode lernen und sie mit den eigenen Stärken verbinden. Wer das schafft, schlägt die Neobanken nicht auf deren Feld, sondern auf dem eigenen, indem er ihre besten Eigenschaften übernimmt, ohne seine eigenen aufzugeben. Genau diese Verbindung ist der Weg, auf dem etablierte Institute im Wettbewerb mit den Neobanken bestehen.

Die Falle der falschen Bescheidenheit

Neben dem reflexhaften Kopieren gibt es eine zweite Falle: die falsche Bescheidenheit. Manche etablierten Institute blicken auf die Neobanken mit einer Mischung aus Bewunderung und Resignation und schließen daraus, dass sie in der digitalen Welt ohnehin nicht mithalten können. Sie überlassen das digitale Feld den Angreifern und ziehen sich auf das vermeintlich sichere Terrain der Filiale und der persönlichen Beratung zurück. Doch diese Resignation ist genauso fatal wie das blinde Kopieren.

Denn die Kunden, auch die treuen, erwarten heute eine moderne digitale Erfahrung. Ein Institut, das digital den Anschluss verliert, verliert seine Kunden nach und nach, selbst wenn seine Beratung ausgezeichnet ist. Die falsche Bescheidenheit, die das digitale Feld räumt, führt deshalb in denselben Niedergang wie der aussichtslose Versuch, die Neobanken auf ihrem Feld zu schlagen. Der Weg dazwischen ist der richtige: digital modern sein und zugleich die eigenen Stärken ausspielen.

Das richtige Maß an Geschwindigkeit

Ein etabliertes Institut muss nicht so schnell sein wie eine Neobank, aber es muss schnell genug sein, um nicht abgehängt zu werden. Das richtige Maß liegt darin, die Geschwindigkeit dort zu erhöhen, wo es für den Kunden zählt, ohne die Sorgfalt aufzugeben, die das Vertrauen sichert. Es geht nicht darum, jeden Trend mitzumachen, sondern darum, die Erfahrung des Kunden kontinuierlich zu verbessern, in Schritten, die zum eigenen Haus passen.

Dieses Maß zu finden ist eine Führungsaufgabe. Sie verlangt, die eigene Organisation realistisch einzuschätzen, die Erwartungen der Kunden ernst zu nehmen und die Ressourcen auf die Verbesserungen zu konzentrieren, die den größten Unterschied machen. Wer dieses Maß findet, bewegt sich schnell genug, um relevant zu bleiben, und sorgfältig genug, um vertrauenswürdig zu bleiben. Genau in dieser Balance liegt die Antwort der etablierten Institute auf die Neobanken.

Die eigene Identität bewahren

Der wichtigste Grundsatz ist, bei allem Lernen die eigene Identität zu bewahren. Eine Sparkasse, die ihre Wurzeln, ihren Auftrag und ihre Verankerung in der Region aufgibt, um moderner zu wirken, verliert das, was sie ausmacht und was ihre Kunden an sie bindet. Das Lernen von der Neobank darf nie so weit gehen, dass die Sparkasse aufhört, eine Sparkasse zu sein.

Mehr zum Thema: N26 macht KI zum Betriebssystem. Die Sparkassen kontern mit der digitalen Identität. und Digitaler Vertrieb in Sparkassen: Was wirklich funktioniert – und was nur beschäftigt.

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