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GenoGPT im Alltag: Wie Volksbanken KI-Wissensplattformen nutzen

GenoGPT bündelt das Wissen einer Volksbank und antwortet in Sekunden. Was Genossenschaftsbanken bei Quellenpflege, Berechtigungen und Nutzung selbst leisten.

KI & Digitalisierung

6 min Lesezeit

Kernaussage

Eine Wissensplattform ersetzt keine gepflegten Quellen. Erst wenn Richtlinien und Prozesswissen aktuell hinterlegt sind und Teams sie als Standardweg nutzen, sinkt die Zeit für die Suche.

Die wichtigsten Erkenntnisse

GenoGPT bezieht bankinternes Wissen ein

Quellenpflege ist laufender Betrieb

Gemessen wird Nutzung je Bereich

Das Teuerste am Wissen ist die Suche danach

In Volksbanken und Raiffeisenbanken beginnt ein großer Teil der Facharbeit mit Suchen: nach der gültigen Richtlinie, nach dem passenden Textbaustein, nach dem Prozessschritt im Fachhandbuch. Jede Suche kostet Minuten, und jede Antwort hängt davon ab, wer gerade gefragt wird.

GenoGPT, die Wissensplattform von Atruvia, bündelt interne und externe Quellen einer Bank und liefert Antworten in natürlicher Sprache, nach Angaben von Atruvia in Sekunden statt Minuten. Im Alltag trägt sie nur so weit, wie die hinterlegten Quellen aktuell sind, die Berechtigungen stimmen und die Teams wissen, für welche Fragen sie der Standardweg ist.

Was ist GenoGPT und wie unterscheidet es sich von plainGPT?

Atruvia, der Digitalisierungspartner von rund 670 Volksbanken und Raiffeisenbanken, führt generative KI in zwei Stufen ein. plainGPT ist der Einstieg: Nach einem Bericht der Börsen-Zeitung vom Januar 2025 basiert es auf Modellen von OpenAI, nutzt nur frei zugängliches Wissen und läuft in einer privaten Cloud ohne Verbindung zum allgemeinen Internet in einem Frankfurter Rechenzentrum. Etwa die Hälfte der genossenschaftlichen Primärbanken hatte sich damals für die Nutzung entschieden.

GenoGPT ist die zweite Stufe und bezieht bankinterne Dokumente und Informationsquellen ein. Atruvia beschreibt es im März 2026 als Wissens-, Agenten- und Informationsplattform, die interne und externe Datenquellen bündelt, Bankmitarbeitenden über ein sicheres Chat-Interface bereitstellt und in Europa betrieben wird. Den Vergleich mit dem Weg der Sparkassen zieht der Beitrag S-KIPilot gegen plainGPT.

Wo entlastet GenoGPT im Bankalltag?

Atruvia nennt im Juli 2026 vier Einsatzbeispiele aus unterschiedlichen Bereichen. In der Marktfolge stellt GenoGPT Textbausteine für Kreditvereinbarungen bereit, die auf Basis von Rückmeldungen schrittweise verbessert werden, und beantwortet bankrechtliche Fragen einschließlich der relevanten internen Richtlinien. Im Personalbereich erstellt es rollenbezogene Einarbeitungspläne und empfiehlt Lernpfade. Für das Management bereitet es Ansprachen und Berichte mit Zahlen und Hintergründen vor. Im Beschwerdemanagement stellt es die einschlägigen internen Richtlinien und Prozesse bereit, damit Anliegen im Rahmen der aktuellen Vorgaben bearbeitet werden.

Die Beispiele haben eines gemeinsam: Sie verkürzen den Weg zu einer Information, die es im Institut bereits gibt. Quantifizierte Ergebnisse wie Zeitersparnis oder Nutzerzahlen nennt Atruvia dazu nicht. Für die Steuerung im eigenen Institut ist das ein Hinweis: Die Wirkung muss dort selbst gemessen werden.

Was macht eine Wissensplattform technisch aus?

Atruvia nennt vier Kernaspekte: die Integration unterschiedlicher Quellen wie Dokumentenablagen, Fachanwendungen, Wissensdatenbanken und Schulungsplattformen; eine semantische Suche, die nach Bedeutung statt nach Stichworten findet; ein Rollen- und Berechtigungsmanagement, das Zugriffe kontrolliert und nachvollziehbar macht; und die Nutzung im Dialog, etwa über Zusammenfassungen und Fragen in natürlicher Sprache. Die Plattform ersetzt bestehende Systeme nicht, sie verbindet sie und macht deren Inhalte über eine gemeinsame Oberfläche zugänglich.

Aus dieser Beschreibung folgt, wo die Arbeit des Instituts liegt. Atruvia benennt selbst Mehrfachablagen ähnlicher Inhalte und uneinheitliche Versionierungen als Probleme, die eine Wissensplattform adressieren soll. Lösen kann sie diese nur, wenn das Institut festlegt, welche Fassung gilt.

Warum entscheidet die Quellenpflege über den Nutzen?

Eine Wissensplattform ist nur so gut wie ihre Quellen. Liegen eine alte und eine neue Fassung einer Richtlinie nebeneinander, findet das System beide. Fehlt ein Prozessdokument, bleibt die Antwort lückenhaft. Dieselbe Erfahrung beschreibt die Finanz Informatik in ihrem Praxisbericht zum S-KIPilot vom Juli 2026: Nicht die Modelle waren technisch am schwierigsten, sondern die Datenqualität.

Quellenpflege ist deshalb kein einmaliges Projekt, sondern laufender Betrieb. Jede angebundene Richtlinie braucht eine fachlich zuständige Stelle, ein Prüfdatum und einen Weg, auf dem falsche Antworten zurückgemeldet werden. Wie sich eine Wissensbasis vor dem Rollout bereinigen lässt, zeigt der Beitrag Erst die Wissensbasis, dann der Rollout; die Logik gilt im genossenschaftlichen Verbund genauso.

Prozesskette: 1. Häufige Fachfragen sammeln (je Bereich, mit richtiger Antwort); 2. Quellen bereinigen (eine gültige Fassung, ein Prüfdatum); 3. Berechtigungen festlegen (vor der Anbindung sensibler Dokumente); 4. Standardweg je Team (für welche Fragen zuerst GenoGPT); 5. Nutzung und Qualität messen (regelmäßig im Führungskreis). Darstellung: Sotica

Wie wird GenoGPT im Institut tatsächlich genutzt?

Indem es einen festen Platz im Arbeitsablauf bekommt. Werner Mayer, Vorstand der Volksbank Allgäu-Oberschwaben, wird von Atruvia mit dem Gedanken zitiert, KI nicht als reines IT-Projekt zu behandeln, sondern als Veränderung der Arbeitsweise, deren Nutzen für Mitarbeitende im Alltag spürbar sein muss. Praktisch heißt das: Je Team wird festgelegt, für welche wiederkehrenden Fragen zuerst GenoGPT gefragt wird, etwa im Beschwerdemanagement nach der gültigen Bearbeitungsrichtlinie.

Der Einstieg über plainGPT erleichtert diesen Schritt, weil die Belegschaft den Umgang mit generativer KI bereits geübt hat. Ob die Plattform trägt, zeigt sich aber erst am Nutzungsgrad je Bereich, nicht an der Zahl der freigeschalteten Zugänge. Wie diese Messung aussieht, beschreibt der Beitrag zum Nutzungsgrad statt Schulungsquote.

Welchen Zusatznutzen hat eine gepflegte Wissensplattform?

Sie sichert Wissen, das sonst an Personen hängt. Atruvia nennt Wissenssicherung, Einarbeitung und Vertretungsregelungen ausdrücklich als Nutzen: Wissen ist nicht mehr an Einzelne gebunden. Für Institute, in denen in den kommenden Jahren viele erfahrene Kräfte in den Ruhestand gehen, ist das ein eigener Grund, die Quellen jetzt zu ordnen. Wie Genossenschaftsbanken und Sparkassen KI insgesamt verankern, zeigt der Strategievergleich der beiden Verbünde.

Was das Management für den GenoGPT-Einsatz klären sollte

  1. Die zwanzig häufigsten Fachfragen je Bereich sammeln, mit der jeweils fachlich richtigen Antwort.

  2. Die zugehörigen Quellen bereinigen: eine gültige Fassung, eine zuständige Stelle, ein Prüfdatum.

  3. Berechtigungen festlegen, bevor Dokumente mit eingeschränktem Leserkreis angebunden werden.

  4. Je Team den Standardweg bestimmen, für welche Fragen zuerst GenoGPT genutzt wird.

  5. Nutzung und Antwortqualität messen und im Führungskreis regelmäßig besprechen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen plainGPT und GenoGPT?
plainGPT ist der Einstieg in generative KI auf Basis frei zugänglichen Wissens. GenoGPT bezieht zusätzlich bankinterne Dokumente und Informationsquellen ein und wird von Atruvia als Wissens-, Agenten- und Informationsplattform beschrieben.

Wer ist für die Inhalte in GenoGPT verantwortlich?
Atruvia stellt die Plattform bereit und hält sie technisch und regulatorisch aktuell. Für die Aktualität der institutseigenen Richtlinien und Prozessdokumente bleibt das Institut verantwortlich.

Woran lässt sich der Nutzen messen?
Am Nutzungsgrad je Bereich, an der Qualität der Antworten gegen ein Set typischer Fragen und an der Zeit, die ausgewählte Vorgänge vor und nach der Einführung benötigen.

Weitere Beiträge zu Assistenten, Wissensbasen und Nutzung bündelt das Dossier KI im Arbeitsalltag, Antworten auf typische Managementfragen gibt der Beitrag KI in der Genossenschaftsbank: Sieben Fragen aus dem Management.

Wie viele Fassungen derselben Richtlinie heute in den Ablagen eines Instituts liegen, zeigt meist schon ein kurzer Blick, und dieser Blick lohnt sich vor jedem weiteren Rollout. Veränderung beginnt mit einem ersten Gespräch. Wir freuen uns darauf.

Dominik Winkel

Gründer & Managing Partner, Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche. Von der Herausforderung bis zur Lösung im Tagesgeschäft.

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