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2026, das Jahr der Umsetzung: Warum die KI-Euphorie der Assekuranz weicht

2026, das Jahr der Umsetzung: Warum die KI-Euphorie der Assekuranz weicht

Die Euphorie legt sich, die Realität kommt. Warum KI in Versicherern auf jahrzehntelang gewachsene Administrationen trifft.

Kernaussage

Strategie

4 min Lesezeit

Die wichtigsten Erkenntnisse

Die Ernüchterung ist ein gutes Zeichen

Die KI-Euphorie in der Versicherungsbranche legt sich, und das ist kein Rückschritt. Die Realität holt viele Risikoträger ein: KI trifft in den Verwaltungsbereichen der Versicherer auf jahrzehntelang gewachsene Administrationen, und genau dort entscheidet sich, ob aus Vision Wertschöpfung wird. Das Ende des unkritischen Enthusiasmus ist ein Zeichen von Reife, nicht von Scheitern.

Die 3. KI-Fachkonferenz am 18. Juni 2026 im THE SQUAIRE am Frankfurter Flughafen setzte mit dem Leitmotiv “2026, das Jahr der Umsetzung” ein deutliches Zeichen. Die Vorträge bewegten sich zwischen Hype und Praxis und machten deutlich, wie anspruchsvoll die Integration von KI in komplexe Verwaltungsstrukturen ist.

Wo KI die Versicherung wirklich verändert

Der Effekt reicht über Effizienzgewinne hinaus. In der Risikoerfassung, Analyse, Beantragung und Policierung sorgt KI für deutlich höhere Geschwindigkeit. Vertragsverwaltung und Schadenbearbeitung verändern sich durch automatisierte Dunkelverarbeitung. Zugleich verschiebt sich der Vertrieb: Kunden nutzen KI zunehmend, um Anbieter zu vergleichen und passende Produkte zu finden, wodurch persönliche Präferenzen in der Beratung an Gewicht verlieren.

Was KI im Schaden heute schon kann

Die technische Basis ist weiter, als viele Betriebsmodelle nachziehen. Adaptive und prädiktive KI kann bei eingehenden Schadenmeldungen die Schwere und die Höhe eines Schadens einschätzen, Betrugsversuche erkennen, Entscheidungen vorbereiten und die Abarbeitung der Schadenregulierung steuern. Damit geht die Automatisierung weit über die klassische Dunkelverarbeitung hinaus, die früher vor allem regelbasierte Nacht-Batches meinte.

Wie groß der Sprung ist, zeigt ein Beispiel aus dem Posteingang: Durch den Einsatz von KI liess sich die Klassifikationsquote eingehender Vorgänge von rund 50 auf über 90 Prozent steigern. Genau an dieser Stelle, dem kritischen ersten Schritt der Schadeneingangsverarbeitung, liegt der größte Hebel.

Warum KI vor allem Altlasten offenlegt

KI ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits beschleunigt sie die Transformation, andererseits legt sie offen, wo Prozesse über Jahre komplex zusammengewachsen sind und modernisiert werden müssen. Versicherer und Vermittler stehen vor einem Veränderungsstrudel, der zur Belastungsprobe wird, wenn Betriebsmodelle, Datenqualität und Organisationsstrukturen nicht mithalten. Warum viele Häuser dabei an ihren veralteten Kernsystemen scheitern, ist kein Zufall.

Der häufigste Fehler ist, KI als Feature zu behandeln, das man einkauft und anschaltet. Wo die darunterliegenden Prozesse nicht sauber sind, skaliert KI die Unordnung mit.

Die Lücke zwischen Ist und Soll

Wie groß der Weg ist, zeigt die Dunkelverarbeitung. Laut einer Befragung der Versicherungsforen Leipzig aus dem Frühjahr 2026 liegt bei 60 Prozent der Versicherer der Automatisierungsgrad bei Standardschäden zwischen 10 und 30 Prozent. Gleichzeitig wollen 58 Prozent bis 2030 eine Quote von 50 bis 100 Prozent erreichen. Zwischen heute und diesem Ziel liegt ein erheblicher Sprung, der nur mit dem richtigen Ausgangspunkt gelingt. Wie dieser Ausgangspunkt aussieht, zeigt unsere Roadmap zur Dunkelverarbeitung im Schaden.

Warum der Einstieg so lange dauert

Die Komplexität liegt selten in der Technik, sondern in Recht und Organisation. Ein großer Kfz-Versicherer brauchte allein für die rechtliche Vorbereitung eines KI-Projekts rund ein Jahr. Solche Vorlaufzeiten erklären, warum die Euphorie der Realität weicht: KI trifft auf Datenschutz, Mitbestimmung, Revisionssicherheit und gewachsene Verantwortungsstrukturen. Wer diese Fragen früh klärt, verkürzt den Weg in den Betrieb spürbar.

Warum Partnerschaften Eigenbau schlagen

Ein wiederkehrender Rat aus der Praxis lautet, stärker auf strategische Partnerschaften zu setzen, statt Systeme selbst zu kaufen und zu betreiben. Die Modernisierung von Kernsystemen bindet ohnehin den Löwenanteil der Budgets, während viele Schadenabteilungen dauerhaft überlastet sind. Smarter zu digitalisieren heißt, die Dunkelverarbeitung vor allem bei Frequenzschäden von der Anlage bis zur Schlusszahlung deutlich zu erhöhen.

Warum DORA die Automatisierung sogar stützt

Ein verbreitetes Missverständnis ist, Regulierung bremse die Automatisierung. Das Gegenteil trifft zu. Die Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Audit-Trails sprechen für KI-gestützte Entscheidungen, nicht dagegen: Eine dokumentierte Entscheidungslogik erfüllt Aufsichtsanforderungen oft besser als ein rein manueller Prozess, dessen Begründung nirgends festgehalten ist. Wer KI sauber protokolliert, gewinnt zweifach, an Tempo und an Prüfbarkeit.

Was Umsetzung von Ankündigung trennt

Das Jahr der Umsetzung belohnt nicht das größte Modell, sondern die saubere Prozessarbeit. Wer zuerst den richtigen Use Case wählt, die Datenqualität sichert und Verantwortlichkeiten klärt, erreicht messbare Ergebnisse. Wer mit der Technologie beginnt und die Organisation hinterherzieht, bleibt im Pilotstadium.

Der Kostenhebel im Schaden

Ein großer Teil der Schadensfälle ist standardisierbar, wird aber weiter manuell bearbeitet. Analysen gehen davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Fälle grundsätzlich automatisierbar sind. Der kritische erste Schritt, die Schadeneingangsverarbeitung, läuft in vielen Häusern noch über E-Mail, Post und Telefon, während Sachbearbeiter Daten Fall für Fall manuell erfassen.

Genau hier entsteht der größte Kostenhebel. Wer die Dunkelverarbeitung am Eingang ansetzt und die Klassifikation automatisiert, entlastet die Sachbearbeitung und beschleunigt die Regulierung, ohne die komplette Kernsystemlandschaft anzufassen.

Sotica unterstützt Versicherer und Vermittler dabei, aus der Euphorie in die Umsetzung zu kommen: mit priorisierten Use Cases, belastbaren Prozessen und realistischen Automatisierungszielen. Vereinbaren Sie eine Potenzialanalyse.

Dominik Winkel

Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.

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