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Weniger Berater, mehr Bestand: Vertrieb braucht KI-Kontaktanlässe

Weniger Berater, mehr Bestand: Vertrieb braucht KI-Kontaktanlässe

Die Beraterkapazität in Sparkassen sinkt, der Kundenbestand nicht. Warum datenbasierte Kontaktanlässe zur zentralen Stellschraube der Vertriebssteuerung werden.

Kernaussage

Vertriebskapazität sinkt schneller, als neue Berater nachkommen. Wer Kontaktanlässe nicht systematisch aus Daten erzeugt, überlässt dem Zufall, welcher Kunde angesprochen wird und welcher jahrelang nichts hört.

Isometrisches Beratungsbüro, eine Silhouette ordnet Kundenkarten an einer Tafel, eine Karte liegt am Boden: KI-Kontaktanlässe im Sparkassenvertrieb

Vertrieb

5 min Lesezeit

Die wichtigsten Erkenntnisse

Die Demografie verknappt Beratungszeit unumkehrbar.

Kontaktanlässe aus Daten schlagen Bauchgefühl und Zufall.

Ohne Verankerung in der Steuerung bleiben Impulse liegen.

Der Bestand wächst. Die Beraterschaft schrumpft.

Jede Vertriebsplanung rechnet mit Beratern, die es bald nicht mehr gibt. Sparkassen steuern ihren Vertrieb mit KI-generierten Kontaktanlässen, indem Bestands- und Ereignisdaten laufend ausgewertet werden und jeder Berater priorisierte, konkrete Gesprächsanlässe für seine Kunden erhält.

Das ist keine Zukunftsmusik, sondern gelebte Praxis in einem wachsenden Teil der Sparkassen-Finanzgruppe. Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob solche Systeme kommen, sondern ob ein Haus sie zur zentralen Logik seiner Vertriebssteuerung macht oder als Zusatzfunktion verkümmern lässt.

Warum die Demografie das Thema erzwingt

Die Zahlen lassen wenig Spielraum. Nach einer Analyse von zeb verlieren Banken allein durch Verrentung bis 2030 im Durchschnitt über 30 Prozent ihrer Mitarbeitenden, der Altersdurchschnitt in Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Versicherungen liegt über 47 Jahren. Der Vertrieb ist davon nicht ausgenommen, im Gegenteil: Erfahrene Beraterinnen und Berater mit gewachsenen Kundenbeziehungen gehen zuerst.

Gleichzeitig bleibt der Kundenbestand, der betreut werden will. Auf einen Berater kommen in vielen Häusern tausende zugeordnete Kunden. Persönliche Betreuung für alle war schon immer Fiktion. Neu ist, dass die Lücke jetzt so groß wird, dass sie sich mit Vertriebskampagnen alter Schule nicht mehr überbrücken lässt.

Was ein Kontaktanlass aus Daten leistet

Ein datenbasierter Kontaktanlass beantwortet drei Fragen auf einmal: welcher Kunde, warum jetzt, mit welchem Thema. Auslaufende Zinsbindungen, Gehaltseingänge nach Jobwechsel, freiwerdende Sparraten, Lebensereignisse, ungenutzte Kreditlinien. Jedes dieser Signale liegt in den Daten des Hauses. Was fehlt, ist die systematische Auswertung und die Zustellung an den richtigen Berater zur richtigen Zeit.

Der Unterschied zur klassischen Kampagne liegt in der Richtung. Eine Kampagne sucht Kunden für ein Produkt. Ein Kontaktanlass sucht den Anlass beim Kunden und macht daraus ein Gespräch, das der Kunde als Betreuung erlebt statt als Verkaufsanruf. Genau das trägt in einer Zeit, in der jeder Beratungskontakt knapper und damit wertvoller wird.

Und der Anlass wirkt über den Einzelfall hinaus. Jeder bearbeitete Kontakt liefert eine Rückmeldung, jedes Gespräch schärft das Bild vom Kunden. Über Monate entsteht so ein lernender Kreislauf aus Daten, Ansprache und Ergebnis, der mit jeder Runde treffsicherer wird. Häuser, die früh starten, bauen damit einen Vorsprung auf, den Nachzügler nicht durch Technikeinkauf aufholen.

Warum viele Impulse heute liegen bleiben

Die Erfahrung aus vielen Häusern ist ernüchternd: Selbst wo Impulssysteme ausgerollt sind, arbeitet nur ein Teil der Beraterschaft konsequent damit. Die Gründe wiederholen sich. Die Impulse konkurrieren mit Terminen, Service und Verwaltungsarbeit. Es gibt kein Ziel und keine Messung, ob Anlässe bearbeitet werden. Und mancher Berater vertraut dem eigenen Bauchgefühl mehr als dem System, solange niemand die Trefferquoten transparent macht.

Das Muster ist aus anderen Werkzeugen vertraut: Das Tool ist da, keiner nutzt es. Die Adoptionslücke ist kein Technikproblem, sondern ein Führungs- und Steuerungsproblem.

Wie Kontaktanlässe in die Vertriebssteuerung gehören

Der Hebel liegt in der Verankerung. Kontaktanlässe entfalten Wirkung, wenn sie Teil der Vertriebssteuerung sind: mit klarer Erwartung, wie viele Anlässe pro Woche bearbeitet werden, mit Rückmeldung, was aus jedem Anlass wurde, und mit Führungskräften, die im Vertriebsdialog über Anlässe sprechen statt über Produktlisten.

Dazu gehört Ehrlichkeit in der Kapazitätsplanung. Ein Berater mit vollem Servicekalender bearbeitet keine zwanzig Impulse pro Woche. Häuser, die es ernst meinen, schaffen Beratungszeit, indem sie Service konsequent in digitale Kanäle und medialen Vertrieb verlagern. Wie diese Arbeitsteilung gelingt, zeigt der Blick auf den digitalen Vertrieb in Sparkassen.

Was gute Anlass-Systeme von Listen unterscheidet

Drei Merkmale trennen ein Steuerungsinstrument von einer weiteren Liste. Erstens Priorisierung: Das System ordnet Anlässe nach Potenzial und Dringlichkeit, statt alle gleich zu gewichten. Zweitens Kontext: Zum Anlass gehört die Gesprächsvorbereitung, also Kundenhistorie, Produktnutzung und der konkrete Aufhänger in einem Blick. Drittens Lernen: Rückmeldungen der Berater fließen in die Modelle zurück, Trefferquoten steigen sichtbar, und genau diese Sichtbarkeit baut Vertrauen auf.

Vom Anlass zum Gespräch: Die Übergabe in den Kanal

Ein Kontaktanlass ist erst dann etwas wert, wenn er im richtigen Kanal ankommt. Nicht jeder Anlass verdient einen Anruf: Ein Hinweis auf die auslaufende Kreditkarte gehört ins Onlinebanking, die auslaufende Zinsbindung zum Berater, das Wertpapierthema je nach Kundenprofil in die mediale Beratung. Die Kanalentscheidung gehört in die Anlasslogik, nicht in das Ermessen des Einzelnen.

Dazu braucht es saubere Übergaben: Der Anlass erscheint im Kalender des Beraters mit Vorbereitung, im medialen Zentrum als Aufgabe mit Skript, im Onlinebanking als persönliche Nachricht. Häuser, die diese Strecke durchgängig bauen, verwandeln denselben Datenbestand in ein Vielfaches an Kundenkontakten.

Was das mit der Beraterrolle macht

Die Rolle verschiebt sich vom Terminverwalter zum Beziehungsmanager. Der Berater entscheidet nicht mehr, wen er anruft, sondern wie er das Gespräch führt, das ihm das System vorbereitet hat. Das entlastet, und es verunsichert. Beides gehört ernst genommen.

Die Erfahrung zeigt: Akzeptanz entsteht über Erfolge, nicht über Anweisungen. Wenn die ersten Kollegen aus Anlässen Abschlüsse machen und das im Vertriebsdialog sichtbar wird, kippt die Stimmung schneller als jede Schulung es schafft. Führungskräfte, die Anlassarbeit vorleben und würdigen, sind dabei der stärkste Hebel.

Der Datenschutz ist lösbar, wenn er früh mitgedacht wird

Kundendaten für Vertriebsimpulse auszuwerten braucht saubere Rechtsgrundlagen und eine frühe Einbindung von Datenschutz und Personalvertretung. Häuser, die das Thema offen angehen, kommen durch. Häuser, die es umgehen wollen, verlieren Monate im Nachgang. Die Faustregel: Transparenz gegenüber Kunden und Mitarbeitenden von Anfang an, klare Zweckbindung, keine Auswertung sensibler Kategorien.

Der nächste Schritt

Die Demografie wartet nicht auf die nächste Vertriebsplanungsrunde. Ein guter Startpunkt ist eine Potenzialanalyse mit dem Zuschnitt Digitaler Vertrieb und Customer Journey: ein Workshop mit Vorstand und Vertriebsleitung, der den Status der Vertriebssteuerung aufnimmt, die Anlass-Logik des Hauses prüft und einen priorisierten Fahrplan liefert, wie Beratungszeit und Kontaktanlässe zusammenfinden.

Dominik Winkel, Gründungspartner Sotica

Dominik Winkel

Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.

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