Insight
Der Vermittlermarkt schrumpft, die Makler wachsen. Warum nicht Größe, sondern Automatisierung über das Bestehen im konsolidierenden Markt entscheidet.
Kernaussage
Im schrumpfenden Vermittlermarkt entscheidet nicht Größe über das Bestehen, sondern die Fähigkeit zur Automatisierung. Wer Routine manuell abarbeitet, trägt Kosten, die kleine Bestände nicht decken.

KI & Digitalisierung
4 min Lesezeit
Die wichtigsten Erkenntnisse
Der Vermittlermarkt schrumpft insgesamt
Unabhängige Makler wachsen dagegen
Automatisierung entscheidet über Bestehen
Maklermarkt 2026: Weniger Vermittler, mehr Makler
Der Markt schrumpft und wächst zugleich. Wer das übersieht, zieht die falschen Schlüsse. Der deutsche Vermittlermarkt verliert insgesamt Köpfe, doch die Gruppe der unabhängigen Versicherungsmakler legt gegen den Trend zu, und genau in dieser Verschiebung entscheidet sich, wer die Konsolidierung 2026 übersteht. Die Antwort liegt weniger in der Größe als in der Fähigkeit, den eigenen Betrieb zu automatisieren.
Wie stark schrumpft der Vermittlermarkt wirklich?
Die Zahlen des DIHK-Vermittlerregisters sind eindeutig. Zum 1. Januar 2026 waren 178.791 Versicherungsvermittler registriert, ein Rückgang um 2.970 Personen oder 1,6 Prozent im Jahr 2025. Zum Vergleich: 2024 betrug der Rückgang 1.894 Personen. Der Schwund hat sich also beschleunigt. Seit dem Höchststand im Jahr 2011 hat sich die Zahl der eingetragenen Versicherungsvermittler um über 30 Prozent verringert. Der Markt bereinigt sich seit über einem Jahrzehnt.
Wen trifft der Rückgang am härtesten?
Den stärksten Verlust tragen die gebundenen Vertreter, also die Ausschließlichkeitsvermittler. Ihre Zahl sank 2025 um 3.486 Personen oder 3,4 Prozent, deutlich schneller als der Rückgang um 2.003 im Vorjahr. Das klassische Modell des exklusiv an einen Versicherer gebundenen Vertreters verliert am schnellsten an Boden. Die Konsolidierung ist damit kein gleichmäßiger Schwund, sondern ein Strukturbruch zulasten eines bestimmten Vertriebsmodells.
Warum wachsen die Makler gegen den Trend?
Die unabhängigen Versicherungsmakler bewegen sich gegenläufig. Ihre Zahl stieg 2025 um 332 Registrierungen, rund ein Prozent, auf 46.951 Makler. Während die Ausschließlichkeit erodiert, gewinnt die Unabhängigkeit. Kunden suchen Beratung, die nicht an einen Anbieter gebunden ist, und Vermittler wechseln in Modelle mit mehr Spielraum. Der Maklerstatus ist im schrumpfenden Markt die wachsende Nische.
Was treibt die Konsolidierung an?
Zwei Kräfte wirken zusammen. Demografie und fehlende Nachfolge dünnen die Zahl der Einzelbetriebe aus. Zugleich treiben Investoren, häufig mit Private-Equity-Hintergrund, eine Übernahmewelle voran und bündeln Bestände zu größeren Einheiten, wie Fachmedien wie AssCompact und Cash. berichten. Für kleine Makler bedeutet das Druck von zwei Seiten: Der Wettbewerb professionalisiert sich, und die Kosten für Regulatorik und Technik lassen sich auf einen kleinen Bestand schwer verteilen.
Ist Größe die einzige Überlebensstrategie?
Nein. Größe verteilt Fixkosten, aber sie ist nicht die einzige Antwort. Die eigentliche Trennlinie verläuft zwischen Betrieben, die ihre Abläufe automatisieren, und solchen, die jede Police, jede Nachbearbeitung und jede Anfrage manuell abarbeiten. Ein kleiner Makler mit schlanken, digitalen Prozessen kann pro Kunde profitabler sein als ein großer mit gewachsener Handarbeit. Die Konsolidierung belohnt Effizienz, nicht nur Volumen.
Wie hoch ist das Automatisierungspotenzial im Maklerbetrieb?
Das Potenzial ist beträchtlich. Der IAB-Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung weist für den Beruf Versicherungsmakler ein Substituierbarkeitspotenzial von 71 Prozent aus. Das heißt nicht, dass der Beruf verschwindet. Es heißt, dass ein großer Teil der einzelnen Tätigkeiten technisch automatisierbar ist, von der Datenerfassung über die Angebotserstellung bis zur Dokumentation. Der Wert des Maklers verschiebt sich damit von der Verwaltung zur Beratung.
Wo bleibt Automatisierung im Betrieb stecken?
In der Praxis scheitert Automatisierung selten am Willen, sondern an Datensilos, fehlenden Schnittstellen und Medienbrüchen zwischen Maklerportalen und den Systemen der Versicherer. Wo Daten mehrfach eingegeben werden, frisst die Nachbearbeitung den Zeitgewinn wieder auf. Diese Hürden kennen auch große Häuser, wie der Beitrag dazu zeigt, warum die Dunkelverarbeitung trotz KI stockt. Für den kleinen Makler ist die Lösung dennoch erreichbar, weil er seine Prozesse ohne Konzernbürokratie umbauen kann.
Was kleine Makler jetzt tun sollten
Der erste Schritt ist eine ehrliche Prozessaufnahme: Welche Tätigkeit kostet die meiste Zeit, ohne Beratungswert zu schaffen? Genau dort setzt Automatisierung zuerst an, bei Datenerfassung, Dokumentenverarbeitung und Standardkorrespondenz. Der zweite Schritt ist die Konzentration der frei werdenden Zeit auf das, was kein Investor skalieren kann: persönliche, unabhängige Beratung. Wer den Betrieb so umbaut, muss nicht wachsen, um zu bestehen. Sotica unterstützt Maklerbetriebe mit einer Potenzialanalyse, die zeigt, welche Abläufe sich zuerst automatisieren lassen und welchen Zeitgewinn das bringt.

Dominik Winkel
Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.
Ein Gespräch klärt, welcher Schritt der erste ist. Direkt mit dem Gründungspartner, ohne Umwege.


