Insight
Makler verlieren Wochenstunden an Verwaltung, oft eine Stunde je Kundentermin. Der Hebel liegt im Verwaltungsprogramm, KI hilft erst nach der Datenordnung.
Kernaussage
Verwaltungsaufwand im Maklerbetrieb ist selten ein Fleißproblem, meist ein Strukturproblem. Solange Daten mehrfach erfasst und Dokumente von Hand zugeordnet werden, beschleunigt jedes neue Werkzeug nur die Unordnung.

Prozesse
3 min Lesezeit
Die wichtigsten Erkenntnisse
Jeder zweite Makler verwaltet 6 bis 10 Stunden je Woche.
Doppelerfassung ist der teuerste Schritt im Maklerbetrieb.
Erst Datenordnung im Programm, dann KI-Agenten.
Eine Stunde Verwaltung je Kundentermin
Nach dem Termin beginnt für viele Makler der zweite Termin: der mit dem Verwaltungsprogramm. Verwaltungszeit im Maklerbetrieb entsteht dabei nicht am Schreibtisch, sondern an jeder Stelle, an der Daten doppelt erfasst werden.
Wie groß der Block ist, zeigt eine Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler gemeinsam mit AssCompact unter 565 Maklern aus dem Jahr 2025: 46 Prozent wenden sechs bis zehn Stunden pro Woche für Verwaltungsaufgaben auf, 28 Prozent noch mehr, teils über fünfzehn Stunden. Über die Hälfte berichtet, dass je Kundentermin bis zu sechzig Minuten für regulatorisch bedingte Dokumentation und Verwaltung anfallen.
Woher die Stunde wirklich kommt
Die Regulatorik bestimmt, was dokumentiert werden muss. Wie lange das dauert, bestimmt der eigene Betrieb. Die Stunde je Termin entsteht aus Doppelerfassung: Das Gesprächsergebnis wird notiert, dann in das Maklerverwaltungsprogramm getippt, dann in das Beratungsprotokoll übertragen. Dokumente kommen per E-Mail, werden heruntergeladen, umbenannt, abgelegt und von Hand dem Vertrag zugeordnet. Jeder dieser Schritte ist für sich klein, in Summe sind sie der größte Kostenblock des Betriebs.
Auffällig ist, dass die Stunde kaum von der Betriebsgröße abhängt. Auch Betriebe mit mehreren Mitarbeitenden berichten dieselben Muster, nur verteilt auf mehr Schultern. Das bestätigt den Befund: Es liegt nicht an den Menschen, es liegt am Ablauf.
Das Verwaltungsprogramm als einzige Quelle
Der Hebel liegt in einer unbequemen Grundsatzentscheidung: Das Maklerverwaltungsprogramm ist die einzige Quelle der Wahrheit, alles andere sind Zuflüsse. Kundendaten, Verträge, Dokumente und Gesprächsnotizen leben an genau einer Stelle, und jeder Prozess beginnt und endet dort. Solange Outlook, Dateiablage und Programm parallel geführt werden, bleibt jede Automatisierung Flickwerk.
Diese Entscheidung kostet Disziplin, aber keine Lizenzgebühr. Sie ist die Voraussetzung für alles Weitere: für belastbare Auswertungen, für die Vertretung im Urlaubsfall und für jede Automatisierung, die auf verlässliche Daten angewiesen ist.
Erst Ordnung, dann KI-Agenten
Auf einer sauberen Datenbasis übernehmen KI-Agenten heute genau die Schritte, die die Stunde je Termin erzeugen: eingehende Dokumente erkennen, dem Kunden und Vertrag zuordnen, Daten in das Programm übernehmen, Gesprächsnotizen in die Dokumentationsvorlage überführen. Auf einer unsauberen Basis automatisieren dieselben Werkzeuge nur das Chaos, dann werden falsche Zuordnungen eben schneller falsch.
Wie der Einstieg über den Posteingang gelingt, haben wir im Beitrag zum Posteingang im Maklerbetrieb beschrieben. Welche Werkzeuge dafür zum Betrieb passen, ordnet unser Vergleich lokaler KI-Modelle und Cloud-Lösungen im Maklerbetrieb ein.
In drei Schritten zur halben Stunde
Der Weg ist unspektakulär. Erstens messen: eine Woche lang je Termin notieren, wofür die Nachbereitungszeit draufgeht. Zweitens die zwei größten Zeitfresser strukturell lösen, fast immer Dokumentenzuordnung und Doppelerfassung, durch klare Ablageregeln und einen definierten Weg in das Programm. Drittens erst dann automatisieren, beginnend mit dem Posteingang. Betriebe, die diese Reihenfolge einhalten, senken die Verwaltungszeit je Termin deutlich, ohne eine einzige Stelle zu streichen, und gewinnen Beratungszeit, die direkt auf den Ertrag wirkt.
Der häufigste Fehler ist die umgekehrte Reihenfolge: erst das Werkzeug kaufen, dann die Prozesse anpassen wollen. Dann bestimmt das Werkzeug den Ablauf, die alten Parallelwelten bleiben bestehen, und nach einem Jahr ist eine Lizenz mehr da, aber keine Stunde weniger Verwaltung.
Der nächste Schritt
Wo die Verwaltungszeit im eigenen Betrieb entsteht und welcher Hebel zuerst kommt, klärt eine Potenzialanalyse an einem Tag vor Ort. Für Geschäftsführungen, die das Thema zunächst einordnen wollen, ist ein Impuls-Workshop der schnellere Einstieg.

Dominik Winkel
Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.
Ein Gespräch klärt, welcher Schritt der erste ist. Direkt mit dem Gründungspartner, ohne Umwege.


