VM goes BWS: Warum die Migration in den BankingWorkspace keine IT-Aufgabe ist

VM goes BWS: Warum die Migration in den BankingWorkspace keine IT-Aufgabe ist

2027 wird agree21 Vertriebsmanagement abgelöst. Warum der Umzug in den BankingWorkspace an der Steuerung scheitert, nicht an der Technik.

VM goes BWS: Warum die Migration in den BankingWorkspace keine IT-Aufgabe ist

August 14, 2026

Digitaler Vertrieb & Customer Journey

Der Termin steht. Die Steuerungslogik nicht.

Alle kennen die Frist. Kaum ein Haus hat die Steuerung dahinter neu gebaut. Die Ablösung von agree21 Vertriebsmanagement durch den BankingWorkspace ist kein Oberflächenwechsel, sondern der Umbau der vertrieblichen Steuerungslogik einer Bank: Wer bis 2027 lediglich bestehende Vertriebsanlässe umzieht, betreibt danach dieselben Prozesse in einer neuen Maske.

Die auf den genossenschaftlichen Bankarbeitsplatz spezialisierte Beratung CP BAP nennt 2027 als den Zeitpunkt, zu dem Genossenschaftsbanken ihre Vertriebsanlässe in den BankingWorkspace und den Impulsmanager überführt haben müssen. Das liest sich wie ein Migrationsprojekt mit Checkliste. Tatsächlich hängt daran die Frage, wer künftig entscheidet, welcher Kunde wann über welchen Kanal angesprochen wird — und ob diese Entscheidung überhaupt noch am Beraterschreibtisch fällt.

Was hinter „VM goes BWS" wirklich steckt

Der BankingWorkspace ist der neue Arbeitsplatz, mit dem Atruvia, der IT-Dienstleister der genossenschaftlichen Finanzgruppe, den bisherigen Bankarbeitsplatz agree21BAP ablöst. Enthalten sind unter anderem Aufgabenlisten, das Kundendashboard und der Impulsmanager. Der Impulsmanager ist dabei die zentrale Schaltstelle für Produkte, Anlässe und Aktionspläne; verantwortet wird er zusammen mit den Smart-Data-Modellen von der Truuco GmbH, einer gemeinsamen Gesellschaft von Atruvia und DZ BANK Gruppe.

Die Bandbreite ist längst vorhanden. Nach dem Atruvia-Geschäftsbericht 2023 umfasste das Truuco-Angebot Ende 2023 bereits 16 Lösungspakete für den Impulsmanager und fast 50 Smart-Data-Modelle für Privat- und Firmenkunden. Es fehlt also nicht an Modellen, die Abschlusswahrscheinlichkeiten berechnen. Es fehlt an Häusern, die daraus eine durchgängige Ansprachelogik gebaut haben.

Im alten Vertriebsmanagement war die Logik eindimensional: Ein Anlass entsteht, eine Vertriebsakte wird erzeugt, ein Berater arbeitet sie ab. Im Zielbild des BankingWorkspace entsteht ein Impuls, der über mehrere Kanäle parallel laufen kann — elektronisches Postfach, App, Online-Banking, Terminbuchung, persönliches Gespräch. Damit ändert sich nicht das Werkzeug, sondern die Frage, was ein Vertriebsanlass überhaupt ist.

Warum 2027 kein IT-Termin ist

Ein technischer Stichtag hat den Vorteil, dass er sich delegieren lässt. Genau das passiert gerade in vielen Häusern: Die Migration liegt bei der Organisation oder bei der IT, während Vertriebssteuerung, Produktmanagement und Marketing warten, bis „das System da ist". Das Ergebnis ist absehbar — die Anlässe sind umgezogen, die Zuständigkeiten nicht.

Hinzu kommt eine unangenehme Übergangsphase. In einer Fachunterlage von CP BAP aus dem August 2025 wird beschrieben, dass Vertriebsmitarbeitenden mit Einführung des BankingWorkspace zwei Aufgabenlisten parallel zur Verfügung stehen: die bisherige im Bankarbeitsplatz und die neue im BWS. Doppelte Listen erzeugen doppelte Wahrheiten. Wer in dieser Phase keine klare Regel setzt, welche Liste führt, verliert genau die Verbindlichkeit, die eine Vertriebssteuerung ausmacht.

Ohne vertriebliche Datenqualität kommt kein Impuls an

Der teuerste Fehler in der Umstellung ist die Annahme, ein guter Impuls finde seinen Weg von allein. Er findet ihn nur, wenn eine erreichbare E-Mail-Adresse, eine gültige Mobilnummer und die passende Einwilligung hinterlegt sind. Fehlt eines davon, fällt der Kunde aus jedem digitalen Kanal heraus und landet wieder auf der Liste des Beraters — also in exakt dem Prozess, den die Umstellung entlasten sollte.

CP BAP benennt in einer Bestandsaufnahme vom Juli 2025 genau diese Punkte als Kernprobleme bei der Einführung des Impulsmanagements: unzureichende Transparenz über die tatsächlich erzielten Impulserfolge und eine unklare Ausgangslage bei der vertrieblichen Datenqualität über alle Kundensegmente und Kanäle hinweg. Datenqualität ist damit keine Hygienemaßnahme im Hintergrund, sondern die Voraussetzung dafür, dass Steuerung überhaupt wirkt.

Praktisch heißt das: eine Bestandsaufnahme der digitalen Erreichbarkeit je Kundensegment, ein definierter Zielwert, und feste Erhebungspunkte im laufenden Betrieb — im Beratungsgespräch, im Service, in jeder Online-Strecke. Nicht als Kampagne, sondern als Dauerauftrag. Wer das aufsetzen will, findet die Systematik dahinter in unserem Beitrag zur Omnikanal-Lücke im genossenschaftlichen Vertrieb.

Wer steuert, wenn die Vertriebsakte verschwindet?

Im alten Modell war die Vertriebsakte die Währung. Sie wurde erzeugt, zugeteilt, abgearbeitet und gezählt. Im Impulsmodell verteilt sich diese Währung auf mehrere Kanäle, von denen einige ohne Zutun eines Mitarbeiters auskommen. Damit verändert sich die Führungsfrage: Nicht mehr „Wie viele Akten hast du abgearbeitet?", sondern „Welche Impulsreise erzeugt welchen Ertrag, und an welcher Station bricht sie ab?".

Das trifft die Vertriebsorganisation an einer empfindlichen Stelle, weil Zielsysteme, Reporting und Coaching bislang auf die alte Währung ausgerichtet sind. Solange die Vertriebsplanung Aktenzahlen fortschreibt, während der Kanal längst ein anderer ist, entsteht ein Steuerungsvakuum: Alle arbeiten, niemand kann sagen, was gewirkt hat.

Deshalb gehört zur Migration ein zweiter, oft übersehener Arbeitsstrang: die Neudefinition von Rollen zwischen Vertriebssteuerung, Marketing und Produktmanagement. Wer legt Aktionspläne an? Wer entscheidet über Priorisierung konkurrierender Impulse auf denselben Kunden? Wer schaltet einen Impuls ab, der nicht trägt? Diese drei Fragen lassen sich in einem halben Tag klären — sie werden nur selten gestellt.

Der Zeitdruck kommt nicht nur aus der IT

Ende 2025 gab es in Deutschland 646 Genossenschaftsbanken, nach BVR-Zahlen mit einer aggregierten Bilanzsumme von 1.240 Milliarden Euro. Die Zahl sinkt seit Jahren durch Fusionen weiter. Parallel läuft eine demografische Welle: Nach Angaben des BVR erreichen bis 2032 rund 25 Prozent der heutigen Belegschaft — etwa 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter — die gesetzliche Regelaltersgrenze.

Beides zusammen verändert die Rechnung. Ein Vertriebsmodell, das auf persönlicher Nachverfolgung jedes einzelnen Anlasses beruht, ist mit weniger Personal schlicht nicht mehr betreibbar. Die Umstellung auf den BankingWorkspace ist damit nicht nur ein Migrationsprojekt mit Stichtag, sondern die Gelegenheit, den Vertrieb so zu bauen, dass er mit deutlich kleinerer Mannschaft funktioniert. Wer in einer Fusion steckt, hat zusätzlich die Chance, beide Umbauten in einem Zug zu machen, statt zweimal dieselben Prozesse anzufassen.

Was jetzt zu tun ist

Drei Schritte bringen in den kommenden Monaten den größten Unterschied. Erstens: den Bestand ehrlich messen. Wie viele Vertriebsanlässe existieren heute, welche davon haben in den letzten zwölf Monaten überhaupt zu einem Abschluss geführt, und welche werden beim Umzug nicht mitgenommen? Die Migration ist die beste Gelegenheit, Anlässe zu streichen statt sie zu kopieren.

Zweitens: die digitale Erreichbarkeit zur Kennzahl machen, mit Verantwortlichem und monatlichem Wert. Drittens: das Zielbild in Rollen übersetzen, bevor die Technik steht. Wer erst nach der Einführung klärt, wer Impulse priorisiert, verliert das erste Jahr im Blindflug. Wie sich diese Reihenfolge mit einem realistischen Digitalisierungsfahrplan verbindet, zeigen wir am Beispiel der ungenutzten Potenziale im Digitalvertrieb genossenschaftlicher Häuser.

Der Unterschied zwischen den Häusern, die 2027 vorne liegen, und denen, die dann anfangen, ist keine Frage der IT-Ausstattung. Alle bekommen dieselbe Plattform. Den Unterschied macht, wer vorher entschieden hat, wie er sie steuern will.

In einem Tag lässt sich der Umsetzungsstand Ihres Hauses strukturiert aufnehmen: Anlassbestand, Datenqualität, Rollenbild, offene Entscheidungen. Genau dafür ist unsere Standortbestimmung gebaut — Ergebnis ist ein priorisierter Fahrplan bis zur Abschaltung, kein Foliensatz.

Jetzt die Potenziale entdecken

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In einem ersten Gespräch klären wir, welche Möglichkeiten realistisch und kurzfristig umsetzbar sind – unverbindlich, persönlich und mit einem klaren Blick auf die nächsten Schritte.

Persönlicher Ansprechpartner

Dominik Winkel

Gründungspartner

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