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Nachfolge bei Vermögensverwaltern: Warum der Betrieb den Wert macht
Die Zahl der Wertpapierinstitute sinkt, die Nachfolge drängt. Warum bei Übergabe und Verkauf eines Vermögensverwalters der Betrieb über den Wert entscheidet.
Konsolidierung
5 min Lesezeit
Kernaussage
Ein Vermögensverwalter ist bei der Übergabe so viel wert, wie seine Mandantenbeziehungen ohne den Gründer tragen. Wer Abläufe, Daten und Wissen rechtzeitig vom Inhaber löst, verkauft ein Unternehmen statt einer Person.

Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Zahl der Wertpapierinstitute geht zurück
Kleinere Gesellschaften nennen die Nachfolge öfter
Käufer prüfen Abläufe, Daten und Verträge
Die Konsolidierung der Vermögensverwalter hat einen leisen Treiber
Über Konsolidierung bei unabhängigen Vermögensverwaltern wird meist mit Blick auf Käufer und Kaufpreise gesprochen. Der stärkere Treiber ist leiser: Viele Gesellschaften brauchen in den nächsten Jahren eine Nachfolgelösung, und der Wert dieser Lösung hängt weniger an der Rendite als am Betrieb.
Die Zahl der Anbieter geht bereits zurück. Die BaFin zählt für 2025 682 beaufsichtigte Wertpapierinstitute, nach 707 im Jahr zuvor; 39 Erlaubnisse wurden zurückgegeben, 15 neu erteilt (BaFin, Jahresbericht 2025). Die Zahl umfasst alle Wertpapierinstitute, also auch Anlagevermittler und Broker, und die BaFin weist auf eine geänderte Erhebungsmethode hin. Die Richtung ist dennoch klar.
Wie verbreitet ist das Nachfolgethema unter Vermögensverwaltern?
Die Nachfolge ist für einen erheblichen Teil der unabhängigen Vermögensverwalter ein wichtiges Zukunftsthema, besonders bei kleineren Gesellschaften. In der Befragung des Instituts für Vermögensverwaltung der Technischen Hochschule Aschaffenburg nannten 28,2 Prozent der Teilnehmenden die Unternehmensnachfolge als größte unternehmerische Herausforderung der kommenden Jahre (InVV, „Befragung von unabhängigen Vermögensverwaltungen“, 2025, 126 Teilnehmende).
Bei Gesellschaften mit weniger als 50 Millionen Euro verwaltetem Vermögen lag der Anteil bei 33 Prozent, bei Gesellschaften mit 50 bis 150 Millionen Euro bei 37 Prozent. Für das kommende Geschäftsjahr planen 28,5 Prozent Veränderungen in der Gesellschafterstruktur, 13,8 Prozent konkret die Übertragung von Anteilen.
Warum der Betrieb über den Wert bei der Übergabe entscheidet
Der Betrieb entscheidet über den Wert, weil ein Käufer oder Nachfolger nicht die Vergangenheit kauft, sondern die Fähigkeit, Mandanten auch ohne den bisherigen Inhaber gut zu betreuen. Bei vielen Vermögensverwaltern liegt genau diese Fähigkeit in den Köpfen weniger Personen: Wer welchen Mandanten betreut, welche Absprachen gelten, wie Anlagerichtlinien ausgelegt werden.
Ist dieses Wissen nicht dokumentiert, wird jede Übergabe zum Risiko. Der neue Eigentümer muss Mandantenbeziehungen neu aufbauen, Ausnahmen erst entdecken und Abläufe rekonstruieren. Das drückt den Preis oder verlängert die Übergangszeit, in der der Gründer gebunden bleibt.
Was prüft ein Käufer bei einem Vermögensverwalter?
Ein Käufer prüft neben Zahlen vor allem, wie gut sich das Unternehmen in seine eigene Struktur einfügen lässt. Dazu gehören die Zahl und Art der Depotbanken, die genutzten Systeme für Portfolioverwaltung und Reporting, die Qualität der Mandantendaten und die Vertragslage mit Dienstleistern.
Auch die Aufsicht ist Teil des Prozesses. Wer eine bedeutende Beteiligung an einem Wertpapierinstitut erwerben will, muss das nach § 24 des Wertpapierinstitutsgesetzes der BaFin und der Bundesbank anzeigen. Die BaFin prüft den Erwerb nach § 25 innerhalb von 60 Arbeitstagen ab Bestätigung der vollständigen Anzeige; fordert sie Informationen nach, ist die Frist bis zu deren Eingang gehemmt, in der Regel um höchstens 20 Arbeitstage. Je geordneter die Unterlagen zu Organisation, Risikomanagement und Auslagerungen vorliegen, desto reibungsloser läuft dieser Schritt.
Welche Rolle spielt DORA bei Übergabe und Integration?
DORA, die seit dem 17. Januar 2025 geltende EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz, macht die IT-Landschaft eines Vermögensverwalters prüfbar. Kleine und nicht verflochtene Wertpapierinstitute dürfen nach Artikel 16 einen vereinfachten Rahmen für das IKT-Risikomanagement nutzen. Für das Management von IT-Dienstleistern gibt es laut BaFin jedoch keine vergleichbare Ausnahme (BaFin, Aufsichtsmitteilung zu Artikel 16 DORA, August 2025).
Für eine Übergabe heißt das: Das Informationsregister über IT-Dienstleister und die Verträge mit ihnen sind ein fertiges Inventar der eigenen Systemlandschaft. Wer es sauber führt, liefert einem Käufer genau die Übersicht, die er für die Integration braucht. Wer es nur pro forma führt, legt offen, dass die Landschaft selbst nicht geordnet ist.
Integration als eigentliche Bewährungsprobe
Ob sich ein Zusammenschluss lohnt, zeigt sich nach dem Vertragsabschluss. Käufer verfolgen dabei unterschiedliche Wege: Manche führen erworbene Gesellschaften vollständig in die eigene Struktur über, andere lassen die Marke bestehen und bündeln nur Betrieb und Verwaltung. In beiden Fällen müssen Systeme zusammengeführt, Berichte vereinheitlicht und Mandanten verlässlich informiert werden.
Diese Arbeit fällt leichter, wenn beide Seiten ihre Abläufe kennen und beschreiben können. Dokumentierte Prozesse für Mandantenaufnahme, Anlageentscheidung, Reporting und Kostenausweis lassen sich vergleichen und zusammenführen. Ungeschriebene Routinen lassen sich nur ersetzen, und dabei gehen oft gerade die Details verloren, die Mandanten schätzen.
Wo KI bei der Vorbereitung hilft
KI hilft vor allem dabei, verstreutes Wissen zu sichern und Abläufe zu verschlanken. Gesprächsnotizen, Mandantenkorrespondenz und Anlagerichtlinien lassen sich mit KI-gestützter Auswertung strukturieren, sodass Absprachen und Besonderheiten je Mandant nachvollziehbar werden. Wiederkehrende Arbeiten wie Berichtsentwürfe, Kostenausweise oder Abgleiche zwischen Depotbankdaten und Portfoliosystem lassen sich weitgehend automatisieren.
Entscheidend ist die Reihenfolge: erst die Abläufe beschreiben, dann die Daten ordnen, dann automatisieren. Ein Werkzeug, das auf ungeordnete Daten trifft, beschleunigt nur die Unordnung. Wie breit KI im Asset Management heute tatsächlich eingesetzt wird, beschreibt unser Beitrag KI im Asset Management: Breit im Einsatz, selten in der Entscheidung.
Wie sich ein Vermögensverwalter auf die Nachfolge vorbereiten kann
Mandantenbeziehungen dokumentieren: Ansprechpartner, Absprachen, Anlagerichtlinien und Besonderheiten je Mandant an einem Ort festhalten.
Die Betreuung auf mehrere Schultern verteilen, damit jeder wichtige Mandant mindestens zwei Ansprechpartner im Unternehmen kennt.
Kernabläufe von der Mandantenaufnahme bis zum Reporting beschreiben und Sonderwege reduzieren.
Das DORA-Informationsregister und die Verträge mit IT-Dienstleistern als Inventar der Systemlandschaft pflegen.
Wiederkehrende Arbeiten im Back-Office automatisieren, bevor über Übergabe oder Verkauf verhandelt wird.
Wie viele Mandantenbeziehungen im eigenen Unternehmen heute an einer einzigen Person hängen, ist eine aufschlussreiche erste Frage. Über ein erstes Gespräch dazu freuen wir uns.

Dominik Winkel
Gründer & Managing Partner, Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche. Von der Herausforderung bis zur Lösung im Tagesgeschäft.
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