Insight

KI verdient eine eigene Bühne. Die Digitalisierung auch

Warum KI und Digitalisierung getrennte Formate mit eigenem Takt brauchen und welche Ergebnisse ein KI-Format im Management liefern muss.

Organisation & Change

6 min Lesezeit

Kernaussage

Digitalisierung und KI brauchen getrennte Formate mit eigenem Takt und verbindlichen Beschlüssen. Wer KI als Tagesordnungspunkt einer vollen Agenda führt, verliert bei beiden Themen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Getrennte Bühnen schaffen Reihenfolge

Ein KI-Format braucht ein Ergebnis

Verlässlicher Takt schlägt das Großformat

KI als Tagesordnungspunkt sieben. So verlieren beide Themen.

Volle Agenden produzieren halbe Ergebnisse. Wird künstliche Intelligenz als Unterpunkt einer ohnehin vollen Digitalisierungsagenda behandelt, wird sie weder der Digitalisierung noch der KI gerecht. Digitalisierung und KI brauchen getrennte Formate mit eigenem Takt, eigener Vorbereitung und verbindlichen Beschlüssen; zusammengeführt werden beide Stränge im Management und im Prozess, nicht in derselben Sitzung.

In vielen Instituten ist das Muster ähnlich: Die Digitalisierungsagenda ist voll mit Pflichtthemen, von digitalen Services über Prozessumstellungen bis zur Regulatorik. Dazwischen bekommt KI eine Dreiviertelstunde, ein Update, einen Pilotbericht. Die dringenden Umsetzungsthemen verlieren Aufmerksamkeit an das Zukunftsthema, und das Zukunftsthema bekommt nie die Tiefe, die es braucht.

Was zeigen Studien zur strategischen Verankerung von KI?

Die Studien zeigen eine Lücke zwischen Nutzung und Steuerung. Die Deloitte-Studie „Künstliche Intelligenz im Bankensektor“ vom November 2025, eine Erhebung bei 40 Banken mit rund einem Viertel der Bilanzsumme des deutschen Bankensektors, kommt zu dem Ergebnis: 95 Prozent haben KI eingeführt oder planen es, aber 43 Prozent nutzen KI ohne klare strategische Verankerung. Nur 15 Prozent haben KI umfassend in Governance und Organisation integriert.

Kennzahlen, Deloitte-Studie Künstliche Intelligenz im Bankensektor, 40 Banken, November 2025: 95 Prozent haben KI eingeführt oder planen es, 43 Prozent nutzen KI ohne klare strategische Verankerung.

Die Studie „KI in Banken 2025“ von Cofinpro und VÖB-Service mit 317 Befragten aus deutschen Kreditinstituten weist in dieselbe Richtung: 78 Prozent der Institute arbeiten mit KI, in der Unternehmensstrategie verankert haben sie 48 Prozent. Ein Thema, das so verbreitet und zugleich so wenig gesteuert ist, braucht einen eigenen Ort für Entscheidungen.

Warum verdient KI eine eigene Auseinandersetzung?

Weil KI kein weiteres Digitalisierungsprojekt ist, sondern eine Querschnittsfähigkeit mit eigenen Fragen: Datenbasis, Governance, Kompetenzaufbau, Risikoklassen und Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine. Diese Fragen lassen sich nicht in der Restzeit einer Digitalisierungsrunde beantworten.

Hinzu kommt die Außenwirkung. Kundinnen, Kunden und Mitarbeitende begegnen KI mit Neugier und Skepsis zugleich. Das Institut braucht deshalb eine durchdachte Position: wo KI eingesetzt wird, wo bewusst nicht, und wie das kommuniziert wird. Diese Position entscheidet über Tempo, Grenzen und Glaubwürdigkeit des Einsatzes, und sie entsteht nicht in einer Restviertelstunde.

Heißt Trennung, dass KI vertagt wird?

Nein, sie bedeutet das Gegenteil: Beide Themen bekommen einen eigenen Takt. Die Digitalisierungsrunde konzentriert sich auf Umsetzung und Nutzung dessen, was gebaut ist. Das KI-Format bekommt eigene Vorbereitung: Standortbestimmung, priorisierte Anwendungsfälle, Fahrplan für Kompetenz und Governance.

So entsteht Reihenfolge statt Konkurrenz. Zuerst wird das Vorhandene genutzt, parallel wird die KI-Fähigkeit strukturiert aufgebaut, und danach wachsen beide Stränge im Prozess zusammen. Warum ohne diese Ordnung viele Vorhaben im Pilotstadium hängen bleiben, zeigt der Beitrag zur Pilotfalle in Banken.

Was muss ein eigenes KI-Format liefern?

Ein Ergebnis, sonst ist es nur ein weiterer Termin. Das Format rechtfertigt sich durch das, was es produziert: eine priorisierte Liste der Anwendungsfälle mit Nutzenbewertung, eine Zuständigkeit für Daten und Governance, einen Kompetenzplan und einen Budgetrahmen mit Meilensteinen. Wie Institute ihre Anwendungsfälle finden, statt Moden zu folgen, beschreibt der Beitrag zur Auswahl von KI-Anwendungsfällen.

Und das Format braucht Wiederkehr. Eine einmalige KI-Klausur inspiriert, verändert aber wenig. Ein fester Rhythmus mit Fortschrittsbericht macht aus Interesse eine Fähigkeit. Warum einmalige Impulsformate allein wirkungslos bleiben, zeigt der Beitrag Warum die meisten KI-Workshops nichts verändern.

Welcher Takt hat sich bewährt?

Ein Takt, der verlässlich stattfindet. Praktikabel ist für viele Institute eine monatliche Digitalisierungsrunde mit Nutzungs- und Umsetzungskennzahlen, ein quartalsweises KI-Format mit Fortschrittsbericht zu Anwendungsfällen, Kompetenz und Governance sowie eine jährliche Klausur, die beide Stränge zusammenführt und die Prioritäten des Folgejahres festlegt.

Prozesskette in drei Stufen: monatliche Digitalisierungsrunde mit Nutzungs- und Umsetzungskennzahlen, quartalsweises KI-Format mit Priorisierung und Kompetenz, jährliche Klausur mit Prioritäten des Folgejahres. Darstellung: Sotica.

Wichtiger als der exakte Rhythmus ist seine Verlässlichkeit. Ein Format, das zweimal ausfällt, ist keines mehr. Ebenso wichtig ist die Trennung der Inhalte: In der Digitalisierungssteuerung stehen Nutzungs- und Umsetzungskennzahlen, keine KI-Grundsatzdebatten; im KI-Format stehen Priorisierung und Befähigung, keine Service-Updates. Das kostet keine zusätzliche Zeit, es sortiert die vorhandene.

Wie wirkt die eigene Bühne nach innen?

Die eigene Bühne zeigt der Organisation, wie ernst das Institut das Thema meint. Taucht KI zwischen zwei Regulierungsthemen auf der Tagesordnung auf, liest die Organisation daraus Beiläufigkeit, und genau so fällt die Nutzung aus. Ein eigener Rahmen mit Beteiligung des Managements liest sich anders.

Dabei gehört die Bühne den Anwendungsfällen, nicht der Technik. Eine Stunde, in der zwei Teams zeigen, was sie mit dem Assistenten schneller erledigen, bewegt mehr als jede Architekturfolie. Vorführungen durch eigene Leute, auch durch Nachwuchskräfte, senken die Schwelle zusätzlich: Wenn die Kollegin von nebenan es kann, ist es kein Expertenthema mehr.

Was bedeutet die Trennung für Rollen und Organisation?

Die Trennung verlangt zwei klar benannte Verantwortliche. Für die Digitalisierung ist das meist die Organisation oder der Bereich Prozesse und IT, der Umsetzung und Nutzung verfolgt. Für das KI-Format braucht es eine Person, die Anwendungsfälle priorisiert, Governance und Kompetenzaufbau zusammenhält und im Management berichtet. Beide arbeiten eng zusammen, denn viele KI-Anwendungsfälle setzen auf digitalisierten Prozessen auf.

Für die Fachbereiche schafft die Trennung Klarheit darüber, wo ein neuer KI-Vorschlag eingebracht, bewertet und entschieden wird, und über die Kriterien, nach denen das geschieht. Ohne diesen Ort landen Ideen in Einzelgesprächen, Pilotanfragen bei der IT oder in Werkzeugen, die niemand freigegeben hat.

Was das Management jetzt festlegen kann

  1. Zwei Formate trennen: eine Digitalisierungsrunde für Umsetzung und Nutzung, ein eigenes KI-Format für Priorisierung, Kompetenz und Governance.

  2. Für jedes Format ein Ergebnis definieren, etwa eine priorisierte Liste der Anwendungsfälle oder einen beschlossenen Kompetenzplan.

  3. Einen verlässlichen Takt festlegen: monatlich, quartalsweise und eine jährliche Klausur, die beide Stränge zusammenführt.

  4. Verantwortliche je Strang benennen, die im Management berichten und Entscheidungen vorbereiten.

  5. Anwendungsfälle zeigen statt Technik: Teams berichten, welche Arbeit schneller oder besser erledigt wird.

Häufige Fragen

Warum sollte KI nicht Teil der Digitalisierungsagenda bleiben?
Weil beide Themen unterschiedliche Fragen beantworten. Die Digitalisierungsrunde steuert Umsetzung und Nutzung, das KI-Format klärt Priorisierung, Governance und Kompetenzaufbau. In einer gemeinsamen Sitzung verdrängen sich die Themen gegenseitig.

Wie oft sollte ein KI-Format stattfinden?
Für viele Institute bewährt sich ein quartalsweiser Rhythmus mit Fortschrittsbericht, ergänzt um eine jährliche Klausur. Entscheidend ist, dass der Termin verlässlich stattfindet und ein Ergebnis liefert.

Wer gehört in das KI-Format?
Das Management, die Verantwortlichen für die priorisierten Anwendungsfälle sowie Vertretungen aus IT, Datenschutz und Personalentwicklung. Die Runde bleibt klein genug, um zu entscheiden.

Weitere Beiträge zu Anwendungsfällen, Plattformen und Steuerung bündelt das Dossier KI-Strategie & Plattformen.

Wie viel Zeit KI auf der nächsten Managementsitzung tatsächlich bekommt und was danach beschlossen ist, sagt oft mehr über den Stand im Institut als jede Strategiefolie. Wir freuen uns über ein erstes Gespräch zu diesem Thema.

Dominik Winkel

Gründer & Managing Partner, Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche. Von der Herausforderung bis zur Lösung im Tagesgeschäft.

Thema zurzeit im Fokus?

Im Gespräch ordnen wir Ausgangslage und Handlungsspielraum direkt ein. Unverbindlich und ohne Umwege.