Insight
Geschult ist fast jeder, genutzt wird wenig. Mit welchen drei Kennzahlen Institute den tatsächlichen KI-Fortschritt steuern.
Kernaussage
Eine Schulung erklärt das Werkzeug, verankert es aber nicht im Arbeitstag. Erst wer aktive Nutzung, Anwendungstiefe und Wirkung je Bereich misst, sieht, ob die KI-Einführung trägt oder nur vollzogen wurde.

KI & Digitalisierung
3 min Lesezeit
Die wichtigsten Erkenntnisse
Nutzung eine Woche nach der Schulung ist der Maßstab.
Je Team tragen zwei, drei konkrete Anwendungsfälle.
Führung verankert Nutzung, nicht der Schulungsplan.
Die Schulungsquote ist die falsche Kennzahl für den KI-Fortschritt
In vielen Instituten gilt die KI-Einführung als erledigt, sobald alle Mitarbeitenden geschult sind. Ob KI im Institut trägt, zeigt nicht die Zahl der Geschulten, sondern die Zahl derer, die das Werkzeug eine Woche später noch benutzen.
Zwischen diesen beiden Zahlen liegt in der Praxis eine Lücke, über die selten berichtet wird, weil sie niemand misst.
Die Zahlen zeigen die Lücke deutlich
Der Digitalverband Bitkom hat im September 2026 erhoben, dass erstmals eine Mehrheit der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzt: 57 Prozent, nach 36 Prozent im Vorjahr. Von den KI-nutzenden Unternehmen bieten 91 Prozent Weiterbildungen an. Zugleich sagt kein einziges der befragten Unternehmen von sich, das Potenzial voll auszuschöpfen, und 59 Prozent schöpfen es nach eigener Einschätzung gar nicht aus.
Die Botschaft dieser Kombination: Verfügbarkeit und Schulung sind weitgehend gelöst, Wirkung ist es nicht. Genau an dieser Stelle stehen auch viele Genossenschaftsbanken, die Werkzeuge wie genoGPT ausgerollt und flächendeckend geschult haben.
Warum Schulung allein keine Nutzung erzeugt
Eine Schulung beantwortet die Frage, wie das Werkzeug funktioniert. Sie beantwortet nicht die Frage, an welcher Stelle des eigenen Arbeitstags es einen konkreten Schritt ersetzt. Ohne diese Verankerung bleibt die Nutzung dem Zufall überlassen: Wer ohnehin experimentierfreudig ist, nutzt das Werkzeug, der Rest fällt nach zwei Wochen in die alte Arbeitsweise zurück, nicht aus Widerstand, sondern weil der Alltag keine Lücke dafür hat.
Dazu kommt die Führungsfrage: Solange Führungskräfte die Nutzung weder vorleben noch in Arbeitsabläufen verankern, bleibt KI ein Angebot neben der Arbeit statt ein Teil von ihr.
Nutzungsgrad messen heißt drei Fragen beantworten
Wer steuern will, braucht drei Kennzahlen je Bereich. Erstens die aktive Nutzung: Wie viele Mitarbeitende verwenden das Werkzeug mindestens wöchentlich, gemessen über die Plattform, nicht über Selbstauskunft. Zweitens die Anwendungstiefe: In welchen Prozessschritten wird es eingesetzt, nur zum Formulieren oder auch für Recherche, Zusammenfassung, Vorbereitung von Kundengesprächen? Drittens die Wirkung: Wo lässt sich Zeitgewinn oder Qualitätsgewinn einem konkreten Ablauf zuordnen?
Diese Messung ist kein Kontrollinstrument gegen Mitarbeitende, und sie sollte auch nicht so eingeführt werden. Sie zeigt der Organisation, wo Unterstützung fehlt, welche Anwendungsfälle tragen und wo der Rollout nur auf dem Papier stattgefunden hat.
Von der Schulung zur Verankerung im Ablauf
Der wirksamste Hebel ist die Übersetzung in den Arbeitsplatz: je Team zwei, drei konkrete Anwendungsfälle, die einen echten Schritt im Tagesgeschäft ersetzen, eingeübt im Team statt im Schulungsraum, mit einer Ansprechperson im Bereich. Warum klassische Schulungsformate an dieser Stelle regelmäßig zu kurz springen, haben wir in unserer Einordnung zu anwendbaren KI-Schulungen beschrieben.
Erst wenn Nutzungsgrad und Anwendungsfälle sichtbar sind, lohnt die nächste Ausbaustufe, denn dann ist klar, wo zusätzliche Werkzeuge oder Agenten tatsächlich auf einen funktionierenden Ablauf treffen.
Was gemessene Nutzung für die Gremien bedeutet
Ein Nutzungsgrad je Bereich verändert auch die Vorstandsberichte: Statt Rollout-Vollzug und Schulungsquoten zu melden, kann die Organisation zeigen, wo KI Arbeitszeit tatsächlich verlagert und wo die Investition noch nicht trägt. Das ist unbequemer, aber es macht die nächste Budgetentscheidung begründbar, gegenüber Aufsichtsrat wie Verbandsprüfung.
Der Einstieg kostet einen halben Tag
Ein halbtägiger Impuls-Workshop, remote mit Führungskräften und den fachlichen Treibern, reicht, um den tatsächlichen Nutzungsstand zu erheben, die Lücke zwischen Schulung und Alltag zu benennen und je Bereich die Anwendungsfälle zu priorisieren, mit denen die Verankerung beginnt. Das Ergebnis ist eine Nutzungsgrad-Sicht, mit der der Vorstand steuern kann, statt Schulungsquoten zu verwalten.

Dominik Winkel
Gründungspartner Sotica. Partner für Wandel in der Finanzbranche, seit über 15 Jahren in der Branche.
Ein Gespräch klärt, welcher Schritt der erste ist. Direkt mit dem Gründungspartner, ohne Umwege.


