Insight
Altersvorsorgedepot: Was ab 2027 für Anbieter wirklich zählt
Das Altersvorsorgedepot startet 2027 mit beitragsproportionaler Zulage und Standarddepot mit 1,0 Prozent Kostendeckel. Was Anbieter jetzt entscheiden sollten.
Kunde und Betreuung
7 min Lesezeit
Kernaussage
Das Altersvorsorgedepot verschiebt den Wettbewerb von der Garantie zur Rendite nach Kosten. Wer sein Produkt weiter um die Garantie baut, konkurriert ab dem Start gegen ein Standarddepot, das über den Preis gewinnt.

Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Förderung folgt dem Beitrag, nicht dem Produkt
Garantie wird zur Option und verliert ihr Monopol
Das Standarddepot setzt den Preisanker bei 1,0 %
Die Reform ist beschlossen. Die Arbeit fängt an.
Jahrzehntelang wurde über Riester gestritten, jetzt ist die Ablösung Gesetz. Das Altersvorsorgedepot öffnet die staatliche Förderung ab 2027 für garantiefreies Fonds- und ETF-Sparen und verschiebt den Wettbewerb in der privaten Altersvorsorge von der Garantie zur Rendite nach Kosten.
Für Anbieter zählen ab 2027 drei Dinge: ein Produkt, das neben dem Standarddepot mit 1,0 Prozent Kostendeckel bestehen kann, ein Betrieb, der Zulagen, Umschichtung und Wechsel weitgehend automatisiert abwickelt, und eine aktive Strategie für den eigenen Riester-Bestand. Wer eines davon offenlässt, überlässt die Entscheidung Vergleichsplattformen und Wettbewerbern.
Was regelt das Altersvorsorgereformgesetz?
Der Bundesrat hat die Reform am 8. Mai 2026 gebilligt. Nach der Zusammenfassung des Fachportals Cash vom Oktober 2026 löst das Altersvorsorgedepot ab 2027 die Riester-Rente ab: Neue Riester-Verträge sind dann nicht mehr möglich, bestehende laufen weiter. Der GDV bestätigt in seiner Medieninformation vom 23. September 2026, dass sich die Versicherer auf einen Start am 1. Januar 2027 vorbereiten.
Die Förderung wird beitragsproportional. Je Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent Zulage bis 360 Euro im Jahr, darüber 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, zusammen bis zu 540 Euro jährlich. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und Jahr, wenn für das Kind 300 Euro eingezahlt werden, sowie ein einmaliger Bonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag.

Der Kreis der Berechtigten wächst: Förderberechtigt sind künftig auch Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Garantieprodukte bleiben als Option erhalten, mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt. Ausgezahlt wird ab 65 Jahren als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr; bis zu 30 Prozent des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen werden.
Wie stark ist der Förderhebel?
Erheblich und leicht erklärbar. Wer den vollen geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro leistet, erhält 180 Euro Zulage auf die ersten 360 Euro und 360 Euro auf den Rest, zusammen 540 Euro. Das entspricht einer Förderquote von 30 Prozent auf den Eigenbeitrag, vor jedem Kapitalmarktertrag und vor Kinderzulagen. Wer nur 360 Euro im Jahr einzahlt, erhält 180 Euro Zulage, eine Förderquote von 50 Prozent.

Diese Rechnung funktioniert in beide Richtungen. Sie macht das geförderte Depot gegenüber dem ungeförderten ETF-Sparplan attraktiv, mit dem viele jüngere Kundinnen und Kunden längst vertraut sind. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom vom Juni 2025 nutzen 39 Prozent der Menschen in Deutschland ihr Online-Banking für Investitionen etwa in ETFs oder Aktien, und 12 Prozent einen Online-Broker. Der Wettbewerber des Altersvorsorgedepots ist deshalb nicht nur der alte Riester-Vertrag, sondern auch der Sparplan beim Neobroker. Im Gegenzug ist das geförderte Kapital zweckgebunden; diese Bindung gehört offen in jede Beratung.
Warum wird das Standarddepot zum Preisanker?
Weil es öffentlich bepreist ist. Die Effektivkosten des Standarddepots sind auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, im Gesetzgebungsverfahren abgesenkt von ursprünglich vorgesehenen 1,5 Prozent. Jedes Beratungsgespräch, jeder Vergleichsrechner und jede Verbraucherredaktion hat damit ab 2027 eine einfache Frage im Gepäck: Warum kostet ein anderes gefördertes Produkt mehr? Die Antwort muss aus belegbarem Mehrwert kommen, etwa aus Anlagestrategie nach Kosten, echter Beratungsleistung oder einer Garantie mit ehrlichem Preisschild.
Die Branche begleitet das kritisch. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt die Reform, fordert aber gleiche Regeln, falls der Staat ein eigenes Produkt anbietet; der Staat dürfe „nicht gleichzeitig Spieler, Schiedsrichter und Platzwart sein“, zitiert Cash den Verband. Für den Abschluss setzt das Standardprodukt zudem auf digitale Wege: Nach der GDV-Medieninformation zur Frühstart-Rente vom 12. August 2026 gibt es für das Standardprodukt keine gesetzliche Beratungspflicht, der Abschluss kann vollständig digital erfolgen.
Ein Prozent Effektivkosten ist intern vor allem eine Betriebskostenfrage. Manuelle Antragsbearbeitung, papiergebundene Änderungen und telefonische Standardauskünfte passen nicht zu diesem Deckel. Was das für Antrag, Zulage und Wechsel bedeutet, beschreibt der Beitrag zur operativen Umsetzung des Altersvorsorgedepots. Ein Unternehmen, das den Betrieb für ein Ein-Prozent-Produkt beherrscht, wird ihn auch für die übrigen Produkte nicht teurer organisieren wollen.
Was wird aus dem Riester-Bestand?
Er bleibt, aber er wird beweglich. Bestandsverträge laufen weiter, für Kundinnen und Kunden stellt sich jedoch die Frage, ob sie weiter besparen, ruhen lassen oder, soweit das Gesetz es zulässt, in die neue Förderung wechseln. Das Volumen ist groß: Nach der Riester-Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestanden 2023 rund 15,5 Millionen Riester-Verträge, davon rund 10,3 Millionen Versicherungsverträge; den Anteil ruhender Verträge schätzte das Ministerium auf gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel.
Jeder dieser Verträge ist ein Beratungsanlass. Wie Vermittler den Bestand systematisch angehen, zeigt der Beitrag zum Altersvorsorgedepot in der Beratung. Offene Schnittstellen könnten den Wettbewerb um diesen Bestand weiter verschärfen, wenn Vorsorgedaten maschinenlesbar vergleichbar werden, wie der Beitrag zu Open Finance als Chance beschreibt.
Was bedeutet die Reform für Versicherer, Banken und Fondsanbieter?
Für Lebensversicherer stellt sie drei Fragen. Die Produktfrage: Tritt das Unternehmen im garantiefreien Segment gegen Fondsgesellschaften und Direktbanken an? Die Garantiefrage: Wird die 80-Prozent-Stufe zum Kernprodukt, das Sicherheitsbedürfnis und Renditeerwartung verbindet, und rechnet sie sich neben dem Standarddepot? Die Bestandsfrage: Wie werden Riester-Kundinnen und -Kunden aktiv beraten, bevor andere es tun? Die Auszahlungsphase kommt hinzu: Die lebenslange Rente steht künftig neben flexiblen Auszahlungsplänen im Wettbewerb.
Für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Fondsplattformen ist die Reform eine Einladung. Depotführung, Fondsauswahl und digitale Strecken gehören zu ihrem Kerngeschäft, und erstmals können sie gefördertes Vorsorgegeschäft ohne Versicherungsmantel betreiben. Zugleich ist das geförderte Depot kein gewöhnliches Depot: Zulagenverwaltung, Fördermeldungen, Entnahmeregeln und Umschichtung vor Rentenbeginn sind Pflichten, die das klassische Wertpapiergeschäft nicht kennt. Wer Familien im Bestand hat, sollte zudem die Frühstart-Rente mitdenken, die ebenfalls über das Standardprodukt laufen soll; die Chancen beschreibt der Beitrag zur Frühstart-Rente als Kundenzugang.
Warum kann diese Reform anders laufen als Riester?
Drei Unterschiede sprechen dafür. Die Förderung verlangt keine volle Beitragsgarantie mehr, die in der Niedrigzinsphase die Renditen belastete. Eine beitragsproportionale Zulage ersetzt die Mindesteigenbeitragsrechnung, die viele Sparerinnen und Sparer überforderte. Und eine Generation, die ETF-Sparpläne kennt, trifft auf ein Produkt, das genau diese Anlageform fördert. Garantiert ist der Erfolg damit nicht: Er hängt daran, ob Anbieter die neue Einfachheit in Produkten und Strecken erhalten oder in Tarifvarianten und Formularen wieder begraben.
Was das Management jetzt entscheiden sollte
Die Produktrolle festlegen: eigenes Altersvorsorgedepot, Partnerprodukt, Garantiestufe oder eine Kombination.
Die eigene Kalkulation gegen den Anker rechnen: Effektivkosten der geplanten Produkte und Prozesskosten des Betriebs neben dem Ein-Prozent-Deckel.
Den Riester-Bestand auswerten nach ruhenden und aktiven Verträgen, Garantien und Kundengruppen und eine Ansprache planen.
Digitale Abschluss- und Servicestrecken priorisieren, weil das Standardprodukt ohne Beratungspflicht digital abschließbar ist.
Reale Kundenprofile durchspielen, von der Familie bis zum Selbstständigen, und Lücken in Daten, Zuständigkeiten und Strecken schließen.
Häufige Fragen
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Ab 2027. Die Versicherer bereiten sich laut GDV auf einen Start am 1. Januar 2027 vor; neue Riester-Verträge sind ab dann nicht mehr möglich.
Wie hoch ist die Förderung?
50 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 Euro, darüber 25 Cent bis 1.800 Euro, also bis zu 540 Euro im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag.
Was ist das Standarddepot?
Ein vereinfachtes gefördertes Depot, dessen Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt sind. Es setzt den Preisanker, an dem andere geförderte Produkte gemessen werden.
Weitere Beiträge zu Altersvorsorgedepot, Frühstart-Rente und Vermögensberatung bündelt das Dossier Vermögen & Altersvorsorge.
Ob das eigene Vorsorgeangebot neben einem Produkt mit Ein-Prozent-Deckel überzeugt, zeigt sich zuerst in der eigenen Kalkulation und erst danach im Vertrieb. Wir freuen uns über ein erstes Gespräch zu diesem Thema.
Ein Thema, das gerade beschäftigt?
Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.

Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Förderung folgt dem Beitrag, nicht dem Produkt
Garantie wird zur Option und verliert ihr Monopol
Das Standarddepot setzt den Preisanker bei 1,0 %
Die Reform ist beschlossen. Die Arbeit fängt an.
Jahrzehntelang wurde über Riester gestritten, jetzt ist die Ablösung Gesetz. Das Altersvorsorgedepot öffnet die staatliche Förderung ab 2027 für garantiefreies Fonds- und ETF-Sparen und verschiebt den Wettbewerb in der privaten Altersvorsorge von der Garantie zur Rendite nach Kosten.
Für Anbieter zählen ab 2027 drei Dinge: ein Produkt, das neben dem Standarddepot mit 1,0 Prozent Kostendeckel bestehen kann, ein Betrieb, der Zulagen, Umschichtung und Wechsel weitgehend automatisiert abwickelt, und eine aktive Strategie für den eigenen Riester-Bestand. Wer eines davon offenlässt, überlässt die Entscheidung Vergleichsplattformen und Wettbewerbern.
Was regelt das Altersvorsorgereformgesetz?
Der Bundesrat hat die Reform am 8. Mai 2026 gebilligt. Nach der Zusammenfassung des Fachportals Cash vom Oktober 2026 löst das Altersvorsorgedepot ab 2027 die Riester-Rente ab: Neue Riester-Verträge sind dann nicht mehr möglich, bestehende laufen weiter. Der GDV bestätigt in seiner Medieninformation vom 23. September 2026, dass sich die Versicherer auf einen Start am 1. Januar 2027 vorbereiten.
Die Förderung wird beitragsproportional. Je Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent Zulage bis 360 Euro im Jahr, darüber 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, zusammen bis zu 540 Euro jährlich. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und Jahr, wenn für das Kind 300 Euro eingezahlt werden, sowie ein einmaliger Bonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag.

Der Kreis der Berechtigten wächst: Förderberechtigt sind künftig auch Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Garantieprodukte bleiben als Option erhalten, mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt. Ausgezahlt wird ab 65 Jahren als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr; bis zu 30 Prozent des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen werden.
Wie stark ist der Förderhebel?
Erheblich und leicht erklärbar. Wer den vollen geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro leistet, erhält 180 Euro Zulage auf die ersten 360 Euro und 360 Euro auf den Rest, zusammen 540 Euro. Das entspricht einer Förderquote von 30 Prozent auf den Eigenbeitrag, vor jedem Kapitalmarktertrag und vor Kinderzulagen. Wer nur 360 Euro im Jahr einzahlt, erhält 180 Euro Zulage, eine Förderquote von 50 Prozent.

Diese Rechnung funktioniert in beide Richtungen. Sie macht das geförderte Depot gegenüber dem ungeförderten ETF-Sparplan attraktiv, mit dem viele jüngere Kundinnen und Kunden längst vertraut sind. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom vom Juni 2025 nutzen 39 Prozent der Menschen in Deutschland ihr Online-Banking für Investitionen etwa in ETFs oder Aktien, und 12 Prozent einen Online-Broker. Der Wettbewerber des Altersvorsorgedepots ist deshalb nicht nur der alte Riester-Vertrag, sondern auch der Sparplan beim Neobroker. Im Gegenzug ist das geförderte Kapital zweckgebunden; diese Bindung gehört offen in jede Beratung.
Warum wird das Standarddepot zum Preisanker?
Weil es öffentlich bepreist ist. Die Effektivkosten des Standarddepots sind auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, im Gesetzgebungsverfahren abgesenkt von ursprünglich vorgesehenen 1,5 Prozent. Jedes Beratungsgespräch, jeder Vergleichsrechner und jede Verbraucherredaktion hat damit ab 2027 eine einfache Frage im Gepäck: Warum kostet ein anderes gefördertes Produkt mehr? Die Antwort muss aus belegbarem Mehrwert kommen, etwa aus Anlagestrategie nach Kosten, echter Beratungsleistung oder einer Garantie mit ehrlichem Preisschild.
Die Branche begleitet das kritisch. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt die Reform, fordert aber gleiche Regeln, falls der Staat ein eigenes Produkt anbietet; der Staat dürfe „nicht gleichzeitig Spieler, Schiedsrichter und Platzwart sein“, zitiert Cash den Verband. Für den Abschluss setzt das Standardprodukt zudem auf digitale Wege: Nach der GDV-Medieninformation zur Frühstart-Rente vom 12. August 2026 gibt es für das Standardprodukt keine gesetzliche Beratungspflicht, der Abschluss kann vollständig digital erfolgen.
Ein Prozent Effektivkosten ist intern vor allem eine Betriebskostenfrage. Manuelle Antragsbearbeitung, papiergebundene Änderungen und telefonische Standardauskünfte passen nicht zu diesem Deckel. Was das für Antrag, Zulage und Wechsel bedeutet, beschreibt der Beitrag zur operativen Umsetzung des Altersvorsorgedepots. Ein Unternehmen, das den Betrieb für ein Ein-Prozent-Produkt beherrscht, wird ihn auch für die übrigen Produkte nicht teurer organisieren wollen.
Was wird aus dem Riester-Bestand?
Er bleibt, aber er wird beweglich. Bestandsverträge laufen weiter, für Kundinnen und Kunden stellt sich jedoch die Frage, ob sie weiter besparen, ruhen lassen oder, soweit das Gesetz es zulässt, in die neue Förderung wechseln. Das Volumen ist groß: Nach der Riester-Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestanden 2023 rund 15,5 Millionen Riester-Verträge, davon rund 10,3 Millionen Versicherungsverträge; den Anteil ruhender Verträge schätzte das Ministerium auf gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel.
Jeder dieser Verträge ist ein Beratungsanlass. Wie Vermittler den Bestand systematisch angehen, zeigt der Beitrag zum Altersvorsorgedepot in der Beratung. Offene Schnittstellen könnten den Wettbewerb um diesen Bestand weiter verschärfen, wenn Vorsorgedaten maschinenlesbar vergleichbar werden, wie der Beitrag zu Open Finance als Chance beschreibt.
Was bedeutet die Reform für Versicherer, Banken und Fondsanbieter?
Für Lebensversicherer stellt sie drei Fragen. Die Produktfrage: Tritt das Unternehmen im garantiefreien Segment gegen Fondsgesellschaften und Direktbanken an? Die Garantiefrage: Wird die 80-Prozent-Stufe zum Kernprodukt, das Sicherheitsbedürfnis und Renditeerwartung verbindet, und rechnet sie sich neben dem Standarddepot? Die Bestandsfrage: Wie werden Riester-Kundinnen und -Kunden aktiv beraten, bevor andere es tun? Die Auszahlungsphase kommt hinzu: Die lebenslange Rente steht künftig neben flexiblen Auszahlungsplänen im Wettbewerb.
Für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Fondsplattformen ist die Reform eine Einladung. Depotführung, Fondsauswahl und digitale Strecken gehören zu ihrem Kerngeschäft, und erstmals können sie gefördertes Vorsorgegeschäft ohne Versicherungsmantel betreiben. Zugleich ist das geförderte Depot kein gewöhnliches Depot: Zulagenverwaltung, Fördermeldungen, Entnahmeregeln und Umschichtung vor Rentenbeginn sind Pflichten, die das klassische Wertpapiergeschäft nicht kennt. Wer Familien im Bestand hat, sollte zudem die Frühstart-Rente mitdenken, die ebenfalls über das Standardprodukt laufen soll; die Chancen beschreibt der Beitrag zur Frühstart-Rente als Kundenzugang.
Warum kann diese Reform anders laufen als Riester?
Drei Unterschiede sprechen dafür. Die Förderung verlangt keine volle Beitragsgarantie mehr, die in der Niedrigzinsphase die Renditen belastete. Eine beitragsproportionale Zulage ersetzt die Mindesteigenbeitragsrechnung, die viele Sparerinnen und Sparer überforderte. Und eine Generation, die ETF-Sparpläne kennt, trifft auf ein Produkt, das genau diese Anlageform fördert. Garantiert ist der Erfolg damit nicht: Er hängt daran, ob Anbieter die neue Einfachheit in Produkten und Strecken erhalten oder in Tarifvarianten und Formularen wieder begraben.
Was das Management jetzt entscheiden sollte
Die Produktrolle festlegen: eigenes Altersvorsorgedepot, Partnerprodukt, Garantiestufe oder eine Kombination.
Die eigene Kalkulation gegen den Anker rechnen: Effektivkosten der geplanten Produkte und Prozesskosten des Betriebs neben dem Ein-Prozent-Deckel.
Den Riester-Bestand auswerten nach ruhenden und aktiven Verträgen, Garantien und Kundengruppen und eine Ansprache planen.
Digitale Abschluss- und Servicestrecken priorisieren, weil das Standardprodukt ohne Beratungspflicht digital abschließbar ist.
Reale Kundenprofile durchspielen, von der Familie bis zum Selbstständigen, und Lücken in Daten, Zuständigkeiten und Strecken schließen.
Häufige Fragen
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Ab 2027. Die Versicherer bereiten sich laut GDV auf einen Start am 1. Januar 2027 vor; neue Riester-Verträge sind ab dann nicht mehr möglich.
Wie hoch ist die Förderung?
50 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 Euro, darüber 25 Cent bis 1.800 Euro, also bis zu 540 Euro im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag.
Was ist das Standarddepot?
Ein vereinfachtes gefördertes Depot, dessen Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt sind. Es setzt den Preisanker, an dem andere geförderte Produkte gemessen werden.
Weitere Beiträge zu Altersvorsorgedepot, Frühstart-Rente und Vermögensberatung bündelt das Dossier Vermögen & Altersvorsorge.
Ob das eigene Vorsorgeangebot neben einem Produkt mit Ein-Prozent-Deckel überzeugt, zeigt sich zuerst in der eigenen Kalkulation und erst danach im Vertrieb. Wir freuen uns über ein erstes Gespräch zu diesem Thema.
Ein Thema, das gerade beschäftigt?
Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.

Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Förderung folgt dem Beitrag, nicht dem Produkt
Garantie wird zur Option und verliert ihr Monopol
Das Standarddepot setzt den Preisanker bei 1,0 %
Die Reform ist beschlossen. Die Arbeit fängt an.
Jahrzehntelang wurde über Riester gestritten, jetzt ist die Ablösung Gesetz. Das Altersvorsorgedepot öffnet die staatliche Förderung ab 2027 für garantiefreies Fonds- und ETF-Sparen und verschiebt den Wettbewerb in der privaten Altersvorsorge von der Garantie zur Rendite nach Kosten.
Für Anbieter zählen ab 2027 drei Dinge: ein Produkt, das neben dem Standarddepot mit 1,0 Prozent Kostendeckel bestehen kann, ein Betrieb, der Zulagen, Umschichtung und Wechsel weitgehend automatisiert abwickelt, und eine aktive Strategie für den eigenen Riester-Bestand. Wer eines davon offenlässt, überlässt die Entscheidung Vergleichsplattformen und Wettbewerbern.
Was regelt das Altersvorsorgereformgesetz?
Der Bundesrat hat die Reform am 8. Mai 2026 gebilligt. Nach der Zusammenfassung des Fachportals Cash vom Oktober 2026 löst das Altersvorsorgedepot ab 2027 die Riester-Rente ab: Neue Riester-Verträge sind dann nicht mehr möglich, bestehende laufen weiter. Der GDV bestätigt in seiner Medieninformation vom 23. September 2026, dass sich die Versicherer auf einen Start am 1. Januar 2027 vorbereiten.
Die Förderung wird beitragsproportional. Je Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent Zulage bis 360 Euro im Jahr, darüber 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, zusammen bis zu 540 Euro jährlich. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und Jahr, wenn für das Kind 300 Euro eingezahlt werden, sowie ein einmaliger Bonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag.

Der Kreis der Berechtigten wächst: Förderberechtigt sind künftig auch Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Garantieprodukte bleiben als Option erhalten, mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt. Ausgezahlt wird ab 65 Jahren als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr; bis zu 30 Prozent des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen werden.
Wie stark ist der Förderhebel?
Erheblich und leicht erklärbar. Wer den vollen geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro leistet, erhält 180 Euro Zulage auf die ersten 360 Euro und 360 Euro auf den Rest, zusammen 540 Euro. Das entspricht einer Förderquote von 30 Prozent auf den Eigenbeitrag, vor jedem Kapitalmarktertrag und vor Kinderzulagen. Wer nur 360 Euro im Jahr einzahlt, erhält 180 Euro Zulage, eine Förderquote von 50 Prozent.

Diese Rechnung funktioniert in beide Richtungen. Sie macht das geförderte Depot gegenüber dem ungeförderten ETF-Sparplan attraktiv, mit dem viele jüngere Kundinnen und Kunden längst vertraut sind. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom vom Juni 2025 nutzen 39 Prozent der Menschen in Deutschland ihr Online-Banking für Investitionen etwa in ETFs oder Aktien, und 12 Prozent einen Online-Broker. Der Wettbewerber des Altersvorsorgedepots ist deshalb nicht nur der alte Riester-Vertrag, sondern auch der Sparplan beim Neobroker. Im Gegenzug ist das geförderte Kapital zweckgebunden; diese Bindung gehört offen in jede Beratung.
Warum wird das Standarddepot zum Preisanker?
Weil es öffentlich bepreist ist. Die Effektivkosten des Standarddepots sind auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, im Gesetzgebungsverfahren abgesenkt von ursprünglich vorgesehenen 1,5 Prozent. Jedes Beratungsgespräch, jeder Vergleichsrechner und jede Verbraucherredaktion hat damit ab 2027 eine einfache Frage im Gepäck: Warum kostet ein anderes gefördertes Produkt mehr? Die Antwort muss aus belegbarem Mehrwert kommen, etwa aus Anlagestrategie nach Kosten, echter Beratungsleistung oder einer Garantie mit ehrlichem Preisschild.
Die Branche begleitet das kritisch. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt die Reform, fordert aber gleiche Regeln, falls der Staat ein eigenes Produkt anbietet; der Staat dürfe „nicht gleichzeitig Spieler, Schiedsrichter und Platzwart sein“, zitiert Cash den Verband. Für den Abschluss setzt das Standardprodukt zudem auf digitale Wege: Nach der GDV-Medieninformation zur Frühstart-Rente vom 12. August 2026 gibt es für das Standardprodukt keine gesetzliche Beratungspflicht, der Abschluss kann vollständig digital erfolgen.
Ein Prozent Effektivkosten ist intern vor allem eine Betriebskostenfrage. Manuelle Antragsbearbeitung, papiergebundene Änderungen und telefonische Standardauskünfte passen nicht zu diesem Deckel. Was das für Antrag, Zulage und Wechsel bedeutet, beschreibt der Beitrag zur operativen Umsetzung des Altersvorsorgedepots. Ein Unternehmen, das den Betrieb für ein Ein-Prozent-Produkt beherrscht, wird ihn auch für die übrigen Produkte nicht teurer organisieren wollen.
Was wird aus dem Riester-Bestand?
Er bleibt, aber er wird beweglich. Bestandsverträge laufen weiter, für Kundinnen und Kunden stellt sich jedoch die Frage, ob sie weiter besparen, ruhen lassen oder, soweit das Gesetz es zulässt, in die neue Förderung wechseln. Das Volumen ist groß: Nach der Riester-Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestanden 2023 rund 15,5 Millionen Riester-Verträge, davon rund 10,3 Millionen Versicherungsverträge; den Anteil ruhender Verträge schätzte das Ministerium auf gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel.
Jeder dieser Verträge ist ein Beratungsanlass. Wie Vermittler den Bestand systematisch angehen, zeigt der Beitrag zum Altersvorsorgedepot in der Beratung. Offene Schnittstellen könnten den Wettbewerb um diesen Bestand weiter verschärfen, wenn Vorsorgedaten maschinenlesbar vergleichbar werden, wie der Beitrag zu Open Finance als Chance beschreibt.
Was bedeutet die Reform für Versicherer, Banken und Fondsanbieter?
Für Lebensversicherer stellt sie drei Fragen. Die Produktfrage: Tritt das Unternehmen im garantiefreien Segment gegen Fondsgesellschaften und Direktbanken an? Die Garantiefrage: Wird die 80-Prozent-Stufe zum Kernprodukt, das Sicherheitsbedürfnis und Renditeerwartung verbindet, und rechnet sie sich neben dem Standarddepot? Die Bestandsfrage: Wie werden Riester-Kundinnen und -Kunden aktiv beraten, bevor andere es tun? Die Auszahlungsphase kommt hinzu: Die lebenslange Rente steht künftig neben flexiblen Auszahlungsplänen im Wettbewerb.
Für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Fondsplattformen ist die Reform eine Einladung. Depotführung, Fondsauswahl und digitale Strecken gehören zu ihrem Kerngeschäft, und erstmals können sie gefördertes Vorsorgegeschäft ohne Versicherungsmantel betreiben. Zugleich ist das geförderte Depot kein gewöhnliches Depot: Zulagenverwaltung, Fördermeldungen, Entnahmeregeln und Umschichtung vor Rentenbeginn sind Pflichten, die das klassische Wertpapiergeschäft nicht kennt. Wer Familien im Bestand hat, sollte zudem die Frühstart-Rente mitdenken, die ebenfalls über das Standardprodukt laufen soll; die Chancen beschreibt der Beitrag zur Frühstart-Rente als Kundenzugang.
Warum kann diese Reform anders laufen als Riester?
Drei Unterschiede sprechen dafür. Die Förderung verlangt keine volle Beitragsgarantie mehr, die in der Niedrigzinsphase die Renditen belastete. Eine beitragsproportionale Zulage ersetzt die Mindesteigenbeitragsrechnung, die viele Sparerinnen und Sparer überforderte. Und eine Generation, die ETF-Sparpläne kennt, trifft auf ein Produkt, das genau diese Anlageform fördert. Garantiert ist der Erfolg damit nicht: Er hängt daran, ob Anbieter die neue Einfachheit in Produkten und Strecken erhalten oder in Tarifvarianten und Formularen wieder begraben.
Was das Management jetzt entscheiden sollte
Die Produktrolle festlegen: eigenes Altersvorsorgedepot, Partnerprodukt, Garantiestufe oder eine Kombination.
Die eigene Kalkulation gegen den Anker rechnen: Effektivkosten der geplanten Produkte und Prozesskosten des Betriebs neben dem Ein-Prozent-Deckel.
Den Riester-Bestand auswerten nach ruhenden und aktiven Verträgen, Garantien und Kundengruppen und eine Ansprache planen.
Digitale Abschluss- und Servicestrecken priorisieren, weil das Standardprodukt ohne Beratungspflicht digital abschließbar ist.
Reale Kundenprofile durchspielen, von der Familie bis zum Selbstständigen, und Lücken in Daten, Zuständigkeiten und Strecken schließen.
Häufige Fragen
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Ab 2027. Die Versicherer bereiten sich laut GDV auf einen Start am 1. Januar 2027 vor; neue Riester-Verträge sind ab dann nicht mehr möglich.
Wie hoch ist die Förderung?
50 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 Euro, darüber 25 Cent bis 1.800 Euro, also bis zu 540 Euro im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und einmalig 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag.
Was ist das Standarddepot?
Ein vereinfachtes gefördertes Depot, dessen Effektivkosten auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt sind. Es setzt den Preisanker, an dem andere geförderte Produkte gemessen werden.
Weitere Beiträge zu Altersvorsorgedepot, Frühstart-Rente und Vermögensberatung bündelt das Dossier Vermögen & Altersvorsorge.
Ob das eigene Vorsorgeangebot neben einem Produkt mit Ein-Prozent-Deckel überzeugt, zeigt sich zuerst in der eigenen Kalkulation und erst danach im Vertrieb. Wir freuen uns über ein erstes Gespräch zu diesem Thema.
Ein Thema, das gerade beschäftigt?
Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.




