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Kreditrisiko und Frühwarnung: das Dossier für das Management

Insolvenzen, Frühwarnsysteme, Intensivbetreuung und KI im Kreditmodell: Das Dossier zeigt, wie Banken Risiken im Kreditbestand früher erkennen.

Prozesse & Effizienz

6 min Lesezeit

Kernaussage

Bei steigenden Kreditrisiken liegen Institute vorn, die Signale aus Konto und Jahresabschluss schnell in Maßnahmen übersetzen. KI verkürzt diesen Weg, Kriterien und Entscheidung bleiben in den vorhandenen Abläufen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Verluste entstehen zwischen Warnsignal und Maßnahme

Kontoumsätze zeigen Risiken früher als Bilanzen

KI bündelt Signale, die Entscheidung bleibt beim Menschen

Kreditrisiken zeigen sich zuerst im Konto

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen und lag zuletzt 2014 höher. Fast alle befragten Institute rechnen mit weiter steigenden Kreditrisiken, knapp zwei Drittel mit einer vorsichtigeren Kreditvergabe an Unternehmen. Damit verschiebt sich der Blick vom Neugeschäft auf den Bestand.

Im Kreditbestand entscheidet weniger die Güte des Ratings über die Höhe der Verluste als die Zeit zwischen dem ersten Warnsignal und der ersten Maßnahme.

Die Übersicht bündelt alle Beiträge auf sotica.de zu Frühwarnsystemen, Intensiv- und Problemkreditbetreuung, Datenbasis der Kreditüberwachung, Regeln für KI in Kreditmodellen und Klimarisiken im Kreditportfolio.

Worum es für Management und Bereichsleitung geht

Die Erwartungen der Branche sind eindeutig. Im Bankenbarometer 2026 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, für das im Juni und Juli 2026 100 Finanzinstitute in Deutschland befragt wurden, rechnen 93 Prozent mit steigenden Kreditrisiken, 34 Prozent sogar mit deutlich steigenden. 63 Prozent erwarten, dass die Kreditvergabe an Unternehmen in den kommenden sechs Monaten restriktiver ausfällt.

Die amtliche Statistik bestätigt den Trend. Nach der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 13. März 2026 registrierten die Amtsgerichte im Jahr 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Von Januar bis Juli 2026 kamen 15.185 Anträge hinzu, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am 9. Oktober 2026 mitteilte.

Kennzahlen: 93 Prozent der 100 befragten Finanzinstitute rechnen mit steigenden Kreditrisiken (EY Bankenbarometer 2026); 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen 2025, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr (Statistisches Bundesamt).

Für Management und Bereichsleitung heißt das: Mehr Engagements geraten in die Phase, in der frühes Handeln Verluste noch begrenzt. Ob dieser Spielraum genutzt wird, hängt weniger am Modell als am Ablauf dahinter: wer ein Signal sieht, wer es prüft und wie schnell ein Gespräch mit dem Kunden folgt.

Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) in der Fassung vom 30. Juni 2026 beschreiben genau diesen Ablauf und setzen dabei auch die Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für die Kreditvergabe und -überwachung um. Das Verfahren zur Früherkennung von Risiken soll Kreditnehmer rechtzeitig identifizieren, bei denen sich erhöhte Risiken abzuzeichnen beginnen. Lösen Frühwarnindikatoren aus, werden die Engagements überprüft und bei Bedarf in eine Watchlist aufgenommen, eine Beobachtungsliste, über deren Stand das Management regelmäßig informiert wird.

KI hilft, aus vielen schwachen Signalen ein klares Bild zu machen und die Bearbeitung zu beschleunigen. Kriterien, Zuständigkeiten und die Entscheidung über Maßnahmen ersetzt sie nicht.

Welche Entscheidungen jetzt anstehen

Fünf Fragen bestimmen, wie gut der Kreditbestand durch eine schwächere Konjunktur kommt:

  • Welche Frühwarnindikatoren gelten heute, und wann wurden sie zuletzt an das veränderte Risikoumfeld angepasst?

  • Wie viel Zeit vergeht vom ersten Signal im Kontoumsatz bis zum Gespräch mit dem Kunden?

  • Welche Daten aus Konten, Jahresabschlüssen und externen Quellen fließen automatisiert in die Kreditüberwachung ein?

  • Wo entlastet KI die Intensiv- und Problemkreditbetreuung, und wo bleibt die Bewertung bewusst beim Menschen?

  • Wie fließen Klimarisiken und andere ESG-Risiken in die Überwachung des Bestands ein?

Wie erkennt ein Frühwarnsystem Risiken, solange noch Spielraum besteht?

Ein Frühwarnsystem wertet laufend viele Indikatoren aus und übersetzt Signale zeitnah in Maßnahmen. Die MaRisk nennen Kontoumsätze und Lastschriftrückgaben als Beispiele für geeignete Indikatoren und verlangen, dass Signale zu Schritten wie einem intensiveren Kundenkontakt, der Hereinnahme neuer Sicherheiten oder Tilgungsaussetzungen führen. KI-Modelle erkennen Muster im Zahlungsverhalten, die feste Schwellenwerte übersehen, und verdichten sie zu einer begründeten Auffälligkeit für die zuständige Betreuung.

Was ändert sich in der Intensiv- und Problemkreditbetreuung?

Steigen die Fallzahlen, wird die Kapazität der Spezialistinnen und Spezialisten zum Engpass. Intensivbetreuung bedeutet die engere Begleitung auffälliger Engagements mit dem Ziel, sie in die Normalbetreuung zurückzuführen, die Problemkreditbearbeitung übernimmt Sanierung oder Abwicklung. Die MaRisk verlangen für beide Übergänge festgelegte Kriterien, deren Verantwortung außerhalb des Bereichs Markt liegt, sowie eine Überprüfung der Engagements in einem festen Turnus. KI-Agenten sichten Unterlagen, fassen Kontoverläufe zusammen, überwachen Fristen und bereiten Mahn- und Pfändungsvorgänge vor, damit mehr Zeit für Kundengespräche und Entscheidungen bleibt.

Welche Daten tragen die Kreditüberwachung?

Kontoumsätze zeigen Veränderungen am schnellsten, Jahresabschlüsse liefern die belastbare Grundlage für die Kapitaldienstfähigkeit, also die Fähigkeit, Zins und Tilgung aus laufenden Einnahmen zu tragen. Der Wert entsteht, wenn beide Quellen zusammenlaufen und Unterlagen nicht mehr von Hand übertragen werden. KI liest Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen aus und überführt die Kennzahlen in eine strukturierte Form. Für eingesetzte Modelle verlangen die MaRisk zugleich Verfahren, die die Qualität der zugrunde liegenden Daten sicherstellen.

Welche Regeln gelten für KI in Kreditmodellen?

Zwei Regelwerke greifen ineinander: die MaRisk für jedes Modell im Kreditprozess und die KI-Verordnung der EU für die Kreditwürdigkeitsprüfung von Privatpersonen. In der Fassung vom 30. Juni 2026 gelten die Modellanforderungen der MaRisk (AT 4.3.4) ausdrücklich auch für künstliche Intelligenz, einschließlich regelmäßiger Validierung und hinreichender Erklärbarkeit, also nachvollziehbarer Zusammenhänge zwischen Eingangsdaten und Ergebnis. Die KI-Verordnung stuft KI-Systeme zur Bewertung der Kreditwürdigkeit natürlicher Personen als Hochrisiko ein, ausgenommen Systeme zur Aufdeckung von Finanzbetrug. Nach der Änderung durch den sogenannten KI-Omnibus, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, gelten die Pflichten für solche eigenständigen Hochrisiko-Systeme spätestens ab dem 2. Dezember 2027.

Wie kommen Klimarisiken in die Überwachung des Bestands?

Klimarisiken wirken als Treiber, der auf das Kreditrisiko ausstrahlt, und gehören deshalb in die laufende Überwachung statt nur in den Bericht. Die MaRisk verlangen, ESG-Risiken in Risikoinventur, Prozessen, Strategie und Berichterstattung angemessen zu berücksichtigen, und halten fest, dass ein Abstellen allein auf Datenhistorien dafür nicht ausreicht. Für regionale Institute mit Schwerpunkten in einzelnen Branchen oder Lagen wird daraus eine Datenfrage: Objekt-, Branchen- und Standortdaten müssen so vorliegen, dass sie im Frühwarnsystem mitlaufen.

Häufige Fragen

Ersetzt KI das Rating oder das Frühwarnsystem?
Nein. KI ergänzt bestehende Verfahren, indem sie mehr Signale auswertet und Auffälligkeiten begründet. Die Entscheidung über Maßnahmen treffen weiterhin die zuständigen Menschen nach festgelegten Kriterien.

Fällt ein KI-Frühwarnsystem für Firmenkunden unter die Hochrisiko-Regeln der KI-Verordnung?
Der Hochrisiko-Tatbestand nennt die Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen. Für Kredite an Unternehmen greift er nach dem Wortlaut nicht, bei Einzelunternehmen und Selbstständigen lohnt eine sorgfältige Einzelprüfung. Die Modellanforderungen der MaRisk gelten in jedem Fall.

Welche Daten bringen den schnellsten Nutzen?
Kontoumsätze, weil sie im Institut ohnehin vorliegen und Veränderungen früher zeigen als der nächste Jahresabschluss. Die MaRisk nennen Kontoumsätze und Lastschriftrückgaben ausdrücklich als Beispiele für geeignete Indikatoren.

Wie schnell ein auffälliger Kontoverlauf heute bei der zuständigen Betreuung ankommt, zeigt ziemlich genau, wie viel Spielraum im eigenen Kreditbestand noch ungenutzt ist. Ein erstes Gespräch darüber, wo dieser Spielraum liegt, wäre uns eine Freude.

Dominik Winkel

Gründer und Managing Partner

Erstgespräch

Ein Thema, das gerade beschäftigt?

Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.

Gemeinsam klären, wo der größte Hebel liegt und welcher Schritt jetzt sinnvoll ist.

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Sotica ist eine eingetragene Unternehmensberatung mit Sitz in München. Für alle Aufträge gelten unsere AGB. Die Inhalte dieser Website dienen der allgemeinen Information. Sotica ist eine eingetragene Marke. © 2026 Sotica. Alle Rechte vorbehalten.

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