Insight

Dossier: Sparkassen in der KI-Ära

S-KIPilot, Generationenwechsel, Wertpapier- und Vorsorgegeschäft und Fusionen: Was Sparkassen jetzt entscheiden, damit KI im Tagesgeschäft ankommt.

Organisation und Kultur

6 min Lesezeit

Kernaussage

Die Tools sind in den Sparkassen ausgerollt, die Wirkung entsteht im Tagesgeschäft. Vorn liegen Sparkassen, die Beraterzeit freispielen, Wissen sichern und das wachsende Wertpapier- und Vorsorgegeschäft mit schlanken Abläufen tragen.

Titelbild zum Beitrag „Sparkassen in der KI-Ära: das Dossier für das Management“

Die wichtigsten Erkenntnisse

Ausgerollt heißt noch nicht genutzt

Der Generationenwechsel ist eine Wissensfrage

Vorsorgegeschäft lebt von schlanken Abläufen

Die Tools sind da, die Wirkung entsteht im Tagesgeschäft

Sparkassen kommen aus einem starken Jahr. Das Wertpapiergeschäft hat einen Rekord erreicht, das Kreditneugeschäft ist deutlich gewachsen, und KI ist in der Breite angekommen. Zugleich verlassen in den nächsten Jahren viele erfahrene Beschäftigte die Institute, und mit dem Altersvorsorgedepot kommt ab 2027 ein Geschäft, das nur mit schlanken Abläufen trägt.

Ob KI dabei hilft, entscheidet sich nicht an der Technologie, sondern an vier Fragen: wie aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter wird, wie Kapazität und Wissen gesichert werden, mit welchen Abläufen das Wertpapier- und Vorsorgegeschäft wächst und wie Fusionen und Verbundlösungen auf sauberen Prozessen aufsetzen.

Wo Sparkassen stehen

Nach den Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands vom März 2026 haben die 339 Sparkassen 2025 ein Betriebsergebnis von über 18 Milliarden Euro erzielt. Sie beschäftigen rund 199.800 Menschen. Der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft lag mit 18,4 Milliarden Euro auf einem historischen Höchststand, das Neugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen wuchs um 13,4 Prozent. KI soll im laufenden Jahr an rund 200.000 Arbeitsplätzen eingesetzt werden.

Die Struktur verändert sich weiter. Nach einer Auswertung von zeb ist die Zahl der Sparkassen und Genossenschaftsbanken Ende 2025 erstmals unter 1.000 gefallen. Und nach internen Berechnungen, auf die sich der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands im Februar 2026 bezog, scheidet bis 2030 rund ein Viertel der Beschäftigten altersbedingt aus.

Die Zahlen zeigen, wo der Engpass liegt: selten im Zugang zu Technologie, meist in Nutzung, Wissen und Abläufen.

Wie wird aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter?

Ein Assistent wird genutzt, wenn er in einer konkreten Aufgabe spürbar Zeit spart. Der S-KIPilot der Finanz Informatik ist tief in Wissensbasis und Kernbanksystem integriert. Laut Jahresbericht 2025 unterstützt er Beraterinnen und Berater bereits bei der Gesprächsvorbereitung mit Konto-, Umsatz- und Vertragsinformationen, gibt einen Überblick über frühere Kontakte, dokumentiert Gespräche, zeigt Vertriebsanlässe und schlägt passende Produkte vor. Über die Anbindung von KI-Agenten soll er zum Assistenten in der Finanzberatung werden.

Ob das im Alltag ankommt, hängt an drei Dingen: an einer gepflegten Wissensbasis, an Anwendungsfällen, die je Rolle klar beschrieben sind, und an Befähigung, die über eine Schulung hinausgeht. Sparkassen, die Nutzung messen statt Lizenzen zu zählen, sehen früh, wo der Assistent trägt und wo nachgesteuert werden muss.

Vertiefung: S-KIPilot im Alltag · Erst die Wissensbasis, dann der Rollout · KI-Lernreise statt Schulungskatalog

Kapazität und Wissen sichern, bevor sie fehlen

Der Generationenwechsel ist mehr als eine Stellenfrage. Mit jedem Ruhestand gehen Erfahrung zu Sonderfällen, Kundenbeziehungen und eingespielte Abläufe. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands Ludger Weskamp sieht KI deshalb als Hilfe, frei werdende Stellen überhaupt nachbesetzen zu können, ohne große Verwerfungen für die Belegschaft.

Den größten Hebel haben Tätigkeiten mit viel Handarbeit: Marktfolge im Kreditgeschäft, Pfändungsbearbeitung, Berichte und die Vor- und Nachbereitung von Beratungsgesprächen. Wer dort Abläufe automatisiert und Erfahrungswissen dokumentiert, gewinnt Beraterzeit für Kundinnen und Kunden und macht die Sparkasse unabhängiger von einzelnen Wissensträgern.

Vertiefung: Jeder Vierte geht bis 2030 · Beraterzeit ist der Engpass · KI in der Marktfolge

Wertpapier- und Vorsorgegeschäft: Wachstum braucht schlanke Abläufe

Das Wertpapiergeschäft wächst, und die Sparkassen bauen es weiter aus. Mit S-Neo sollen ab Mitte 2026 rund 21.000 Wertpapiere in der Sparkassen-App handelbar sein, die fast 20 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer hat. Ab dem 1. Januar 2027 kommt das Altersvorsorgedepot hinzu: Der Bundesrat hat der Reform im Mai 2026 zugestimmt, staatliche Zulagen von bis zu 540 Euro im Jahr sind möglich, und für das Standardprodukt sind die Effektivkosten auf 1 Prozent begrenzt.

Damit werden viele kleine Verträge zum Geschäft. Wirtschaftlich tragen sie nur, wenn Abschluss, Zulagenverwaltung und Betreuung weitgehend automatisiert laufen und die Beratung sich auf die Momente konzentriert, in denen sie den Unterschied macht. Der Bestand hilft dabei: Sparkassen kennen Einkommen, Lebensphase und bestehende Verträge ihrer Kundinnen und Kunden und können gezielt ansprechen, statt breit zu streuen.

Vertiefung: KI in der Vermögensberatung · Erbschaftswelle und Generationenmanagement · Bestandskunden aktivieren

Fusionen und Verbundlösungen setzen auf eigene Prozesse auf

Fusionen bleiben Teil des Alltags. Laut zeb sank die Zahl der Sparkassen 2025 um sieben, bei sechs Zusammenschlüssen. Wer fusioniert, migriert Systeme und Daten, und jede Migration geht schneller, wenn Prozesse vorher harmonisiert sind.

Für KI gilt dasselbe. Verbundlösungen wie der S-KIPilot oder die Rahmenvereinbarung der DSV-Gruppe mit OpenAI geben allen Sparkassen Zugang zu leistungsfähigen Modellen. Den Unterschied macht, wie gut die eigenen Abläufe, Daten und Zuständigkeiten darauf vorbereitet sind. Eigenentwicklungen lohnen sich dort, wo der Verbund keine Lösung bietet und der Nutzen klar belegt ist.

Vertiefung: Erst Prozesse harmonisieren, dann migrieren · Fusionsfähig ohne Fusionsbeschluss · Verbundlösung oder Eigenentwicklung

Was sich je Sparkasse unterscheidet

  • Große Sparkassen haben eigene Teams für Daten und KI und können Anwendungsfälle selbst entwickeln. Ihre Aufgabe ist die Steuerung vieler Initiativen.

  • Mittlere und kleinere Sparkassen setzen überwiegend auf Verbundlösungen. Ihr Hebel liegt in Nutzung, Befähigung und sauberen Abläufen.

  • Sparkassen in oder nach einer Fusion verbinden Harmonisierung, Migration und KI am besten in einem Vorgehen, statt sie nacheinander anzugehen.

Fünf Fragen, die das Management jetzt klären sollte

  • In welchen drei Aufgaben spart KI unseren Beraterinnen und Beratern heute messbar Zeit?

  • Wie hoch ist die tatsächliche Nutzung der ausgerollten KI-Assistenten, je Bereich und Rolle?

  • Welches Erfahrungswissen geht bis 2030 mit dem Ruhestand verloren, und wo ist es dokumentiert?

  • Mit welchen Abläufen tragen wir viele kleine Verträge im Altersvorsorgedepot wirtschaftlich?

  • Welche Prozesse sind so beschrieben, dass sie sich automatisieren oder in eine Fusion überführen lassen?

Die nächsten Schritte

  • Nutzung der vorhandenen KI-Assistenten erheben und die drei wirksamsten Anwendungsfälle je Rolle festlegen

  • Wissensbasis für den Assistenten prüfen und Verantwortung für ihre Pflege klären

  • Schlüsselwissen der nächsten Ruhestandsjahrgänge erfassen und in Abläufe und Wissensbasis überführen

  • Abschluss- und Betreuungsstrecke für das Altersvorsorgedepot vom Antrag bis zur Zulage durchgehen

  • Ein bis zwei Prozesse mit viel Handarbeit auswählen und Automatisierung im Tagesgeschäft erproben

Häufige Fragen

Reichen die Verbundlösungen für KI in der Sparkasse aus?

Für die meisten Anwendungsfälle bieten sie eine gute Grundlage. Ob sie Wirkung entfalten, hängt an Wissensbasis, Abläufen und Befähigung in der eigenen Sparkasse.

Ersetzt KI Stellen in der Sparkasse?

In erster Linie hilft KI, Lücken aus dem Generationenwechsel zu schließen und Beraterzeit freizuspielen. Entscheidend ist, welche Aufgaben sie übernimmt und wie die gewonnene Zeit genutzt wird.

Wo fängt eine Sparkasse am besten an?

Bei Aufgaben mit viel Handarbeit und klarem Nutzen, etwa in der Gesprächsvorbereitung oder der Marktfolge, und mit einer Messung, ob die Lösung im Alltag genutzt wird.

Veränderung beginnt mit einem ersten Gespräch. Wir freuen uns darauf.

Sotica Insights

Redaktion · Beiträge aus der Beratungspraxis

Ein Thema, das gerade beschäftigt?

Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.

Titelbild zum Beitrag „Sparkassen in der KI-Ära: das Dossier für das Management“

Die wichtigsten Erkenntnisse

Ausgerollt heißt noch nicht genutzt

Der Generationenwechsel ist eine Wissensfrage

Vorsorgegeschäft lebt von schlanken Abläufen

Die Tools sind da, die Wirkung entsteht im Tagesgeschäft

Sparkassen kommen aus einem starken Jahr. Das Wertpapiergeschäft hat einen Rekord erreicht, das Kreditneugeschäft ist deutlich gewachsen, und KI ist in der Breite angekommen. Zugleich verlassen in den nächsten Jahren viele erfahrene Beschäftigte die Institute, und mit dem Altersvorsorgedepot kommt ab 2027 ein Geschäft, das nur mit schlanken Abläufen trägt.

Ob KI dabei hilft, entscheidet sich nicht an der Technologie, sondern an vier Fragen: wie aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter wird, wie Kapazität und Wissen gesichert werden, mit welchen Abläufen das Wertpapier- und Vorsorgegeschäft wächst und wie Fusionen und Verbundlösungen auf sauberen Prozessen aufsetzen.

Wo Sparkassen stehen

Nach den Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands vom März 2026 haben die 339 Sparkassen 2025 ein Betriebsergebnis von über 18 Milliarden Euro erzielt. Sie beschäftigen rund 199.800 Menschen. Der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft lag mit 18,4 Milliarden Euro auf einem historischen Höchststand, das Neugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen wuchs um 13,4 Prozent. KI soll im laufenden Jahr an rund 200.000 Arbeitsplätzen eingesetzt werden.

Die Struktur verändert sich weiter. Nach einer Auswertung von zeb ist die Zahl der Sparkassen und Genossenschaftsbanken Ende 2025 erstmals unter 1.000 gefallen. Und nach internen Berechnungen, auf die sich der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands im Februar 2026 bezog, scheidet bis 2030 rund ein Viertel der Beschäftigten altersbedingt aus.

Die Zahlen zeigen, wo der Engpass liegt: selten im Zugang zu Technologie, meist in Nutzung, Wissen und Abläufen.

Wie wird aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter?

Ein Assistent wird genutzt, wenn er in einer konkreten Aufgabe spürbar Zeit spart. Der S-KIPilot der Finanz Informatik ist tief in Wissensbasis und Kernbanksystem integriert. Laut Jahresbericht 2025 unterstützt er Beraterinnen und Berater bereits bei der Gesprächsvorbereitung mit Konto-, Umsatz- und Vertragsinformationen, gibt einen Überblick über frühere Kontakte, dokumentiert Gespräche, zeigt Vertriebsanlässe und schlägt passende Produkte vor. Über die Anbindung von KI-Agenten soll er zum Assistenten in der Finanzberatung werden.

Ob das im Alltag ankommt, hängt an drei Dingen: an einer gepflegten Wissensbasis, an Anwendungsfällen, die je Rolle klar beschrieben sind, und an Befähigung, die über eine Schulung hinausgeht. Sparkassen, die Nutzung messen statt Lizenzen zu zählen, sehen früh, wo der Assistent trägt und wo nachgesteuert werden muss.

Vertiefung: S-KIPilot im Alltag · Erst die Wissensbasis, dann der Rollout · KI-Lernreise statt Schulungskatalog

Kapazität und Wissen sichern, bevor sie fehlen

Der Generationenwechsel ist mehr als eine Stellenfrage. Mit jedem Ruhestand gehen Erfahrung zu Sonderfällen, Kundenbeziehungen und eingespielte Abläufe. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands Ludger Weskamp sieht KI deshalb als Hilfe, frei werdende Stellen überhaupt nachbesetzen zu können, ohne große Verwerfungen für die Belegschaft.

Den größten Hebel haben Tätigkeiten mit viel Handarbeit: Marktfolge im Kreditgeschäft, Pfändungsbearbeitung, Berichte und die Vor- und Nachbereitung von Beratungsgesprächen. Wer dort Abläufe automatisiert und Erfahrungswissen dokumentiert, gewinnt Beraterzeit für Kundinnen und Kunden und macht die Sparkasse unabhängiger von einzelnen Wissensträgern.

Vertiefung: Jeder Vierte geht bis 2030 · Beraterzeit ist der Engpass · KI in der Marktfolge

Wertpapier- und Vorsorgegeschäft: Wachstum braucht schlanke Abläufe

Das Wertpapiergeschäft wächst, und die Sparkassen bauen es weiter aus. Mit S-Neo sollen ab Mitte 2026 rund 21.000 Wertpapiere in der Sparkassen-App handelbar sein, die fast 20 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer hat. Ab dem 1. Januar 2027 kommt das Altersvorsorgedepot hinzu: Der Bundesrat hat der Reform im Mai 2026 zugestimmt, staatliche Zulagen von bis zu 540 Euro im Jahr sind möglich, und für das Standardprodukt sind die Effektivkosten auf 1 Prozent begrenzt.

Damit werden viele kleine Verträge zum Geschäft. Wirtschaftlich tragen sie nur, wenn Abschluss, Zulagenverwaltung und Betreuung weitgehend automatisiert laufen und die Beratung sich auf die Momente konzentriert, in denen sie den Unterschied macht. Der Bestand hilft dabei: Sparkassen kennen Einkommen, Lebensphase und bestehende Verträge ihrer Kundinnen und Kunden und können gezielt ansprechen, statt breit zu streuen.

Vertiefung: KI in der Vermögensberatung · Erbschaftswelle und Generationenmanagement · Bestandskunden aktivieren

Fusionen und Verbundlösungen setzen auf eigene Prozesse auf

Fusionen bleiben Teil des Alltags. Laut zeb sank die Zahl der Sparkassen 2025 um sieben, bei sechs Zusammenschlüssen. Wer fusioniert, migriert Systeme und Daten, und jede Migration geht schneller, wenn Prozesse vorher harmonisiert sind.

Für KI gilt dasselbe. Verbundlösungen wie der S-KIPilot oder die Rahmenvereinbarung der DSV-Gruppe mit OpenAI geben allen Sparkassen Zugang zu leistungsfähigen Modellen. Den Unterschied macht, wie gut die eigenen Abläufe, Daten und Zuständigkeiten darauf vorbereitet sind. Eigenentwicklungen lohnen sich dort, wo der Verbund keine Lösung bietet und der Nutzen klar belegt ist.

Vertiefung: Erst Prozesse harmonisieren, dann migrieren · Fusionsfähig ohne Fusionsbeschluss · Verbundlösung oder Eigenentwicklung

Was sich je Sparkasse unterscheidet

  • Große Sparkassen haben eigene Teams für Daten und KI und können Anwendungsfälle selbst entwickeln. Ihre Aufgabe ist die Steuerung vieler Initiativen.

  • Mittlere und kleinere Sparkassen setzen überwiegend auf Verbundlösungen. Ihr Hebel liegt in Nutzung, Befähigung und sauberen Abläufen.

  • Sparkassen in oder nach einer Fusion verbinden Harmonisierung, Migration und KI am besten in einem Vorgehen, statt sie nacheinander anzugehen.

Fünf Fragen, die das Management jetzt klären sollte

  • In welchen drei Aufgaben spart KI unseren Beraterinnen und Beratern heute messbar Zeit?

  • Wie hoch ist die tatsächliche Nutzung der ausgerollten KI-Assistenten, je Bereich und Rolle?

  • Welches Erfahrungswissen geht bis 2030 mit dem Ruhestand verloren, und wo ist es dokumentiert?

  • Mit welchen Abläufen tragen wir viele kleine Verträge im Altersvorsorgedepot wirtschaftlich?

  • Welche Prozesse sind so beschrieben, dass sie sich automatisieren oder in eine Fusion überführen lassen?

Die nächsten Schritte

  • Nutzung der vorhandenen KI-Assistenten erheben und die drei wirksamsten Anwendungsfälle je Rolle festlegen

  • Wissensbasis für den Assistenten prüfen und Verantwortung für ihre Pflege klären

  • Schlüsselwissen der nächsten Ruhestandsjahrgänge erfassen und in Abläufe und Wissensbasis überführen

  • Abschluss- und Betreuungsstrecke für das Altersvorsorgedepot vom Antrag bis zur Zulage durchgehen

  • Ein bis zwei Prozesse mit viel Handarbeit auswählen und Automatisierung im Tagesgeschäft erproben

Häufige Fragen

Reichen die Verbundlösungen für KI in der Sparkasse aus?

Für die meisten Anwendungsfälle bieten sie eine gute Grundlage. Ob sie Wirkung entfalten, hängt an Wissensbasis, Abläufen und Befähigung in der eigenen Sparkasse.

Ersetzt KI Stellen in der Sparkasse?

In erster Linie hilft KI, Lücken aus dem Generationenwechsel zu schließen und Beraterzeit freizuspielen. Entscheidend ist, welche Aufgaben sie übernimmt und wie die gewonnene Zeit genutzt wird.

Wo fängt eine Sparkasse am besten an?

Bei Aufgaben mit viel Handarbeit und klarem Nutzen, etwa in der Gesprächsvorbereitung oder der Marktfolge, und mit einer Messung, ob die Lösung im Alltag genutzt wird.

Veränderung beginnt mit einem ersten Gespräch. Wir freuen uns darauf.

Sotica Insights

Redaktion · Beiträge aus der Beratungspraxis

Ein Thema, das gerade beschäftigt?

Gemeinsam einordnen, was daraus folgt.

Titelbild zum Beitrag „Sparkassen in der KI-Ära: das Dossier für das Management“

Die wichtigsten Erkenntnisse

Ausgerollt heißt noch nicht genutzt

Der Generationenwechsel ist eine Wissensfrage

Vorsorgegeschäft lebt von schlanken Abläufen

Die Tools sind da, die Wirkung entsteht im Tagesgeschäft

Sparkassen kommen aus einem starken Jahr. Das Wertpapiergeschäft hat einen Rekord erreicht, das Kreditneugeschäft ist deutlich gewachsen, und KI ist in der Breite angekommen. Zugleich verlassen in den nächsten Jahren viele erfahrene Beschäftigte die Institute, und mit dem Altersvorsorgedepot kommt ab 2027 ein Geschäft, das nur mit schlanken Abläufen trägt.

Ob KI dabei hilft, entscheidet sich nicht an der Technologie, sondern an vier Fragen: wie aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter wird, wie Kapazität und Wissen gesichert werden, mit welchen Abläufen das Wertpapier- und Vorsorgegeschäft wächst und wie Fusionen und Verbundlösungen auf sauberen Prozessen aufsetzen.

Wo Sparkassen stehen

Nach den Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands vom März 2026 haben die 339 Sparkassen 2025 ein Betriebsergebnis von über 18 Milliarden Euro erzielt. Sie beschäftigen rund 199.800 Menschen. Der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft lag mit 18,4 Milliarden Euro auf einem historischen Höchststand, das Neugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen wuchs um 13,4 Prozent. KI soll im laufenden Jahr an rund 200.000 Arbeitsplätzen eingesetzt werden.

Die Struktur verändert sich weiter. Nach einer Auswertung von zeb ist die Zahl der Sparkassen und Genossenschaftsbanken Ende 2025 erstmals unter 1.000 gefallen. Und nach internen Berechnungen, auf die sich der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands im Februar 2026 bezog, scheidet bis 2030 rund ein Viertel der Beschäftigten altersbedingt aus.

Die Zahlen zeigen, wo der Engpass liegt: selten im Zugang zu Technologie, meist in Nutzung, Wissen und Abläufen.

Wie wird aus dem ausgerollten Assistenten ein genutzter?

Ein Assistent wird genutzt, wenn er in einer konkreten Aufgabe spürbar Zeit spart. Der S-KIPilot der Finanz Informatik ist tief in Wissensbasis und Kernbanksystem integriert. Laut Jahresbericht 2025 unterstützt er Beraterinnen und Berater bereits bei der Gesprächsvorbereitung mit Konto-, Umsatz- und Vertragsinformationen, gibt einen Überblick über frühere Kontakte, dokumentiert Gespräche, zeigt Vertriebsanlässe und schlägt passende Produkte vor. Über die Anbindung von KI-Agenten soll er zum Assistenten in der Finanzberatung werden.

Ob das im Alltag ankommt, hängt an drei Dingen: an einer gepflegten Wissensbasis, an Anwendungsfällen, die je Rolle klar beschrieben sind, und an Befähigung, die über eine Schulung hinausgeht. Sparkassen, die Nutzung messen statt Lizenzen zu zählen, sehen früh, wo der Assistent trägt und wo nachgesteuert werden muss.

Vertiefung: S-KIPilot im Alltag · Erst die Wissensbasis, dann der Rollout · KI-Lernreise statt Schulungskatalog

Kapazität und Wissen sichern, bevor sie fehlen

Der Generationenwechsel ist mehr als eine Stellenfrage. Mit jedem Ruhestand gehen Erfahrung zu Sonderfällen, Kundenbeziehungen und eingespielte Abläufe. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands Ludger Weskamp sieht KI deshalb als Hilfe, frei werdende Stellen überhaupt nachbesetzen zu können, ohne große Verwerfungen für die Belegschaft.

Den größten Hebel haben Tätigkeiten mit viel Handarbeit: Marktfolge im Kreditgeschäft, Pfändungsbearbeitung, Berichte und die Vor- und Nachbereitung von Beratungsgesprächen. Wer dort Abläufe automatisiert und Erfahrungswissen dokumentiert, gewinnt Beraterzeit für Kundinnen und Kunden und macht die Sparkasse unabhängiger von einzelnen Wissensträgern.

Vertiefung: Jeder Vierte geht bis 2030 · Beraterzeit ist der Engpass · KI in der Marktfolge

Wertpapier- und Vorsorgegeschäft: Wachstum braucht schlanke Abläufe

Das Wertpapiergeschäft wächst, und die Sparkassen bauen es weiter aus. Mit S-Neo sollen ab Mitte 2026 rund 21.000 Wertpapiere in der Sparkassen-App handelbar sein, die fast 20 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer hat. Ab dem 1. Januar 2027 kommt das Altersvorsorgedepot hinzu: Der Bundesrat hat der Reform im Mai 2026 zugestimmt, staatliche Zulagen von bis zu 540 Euro im Jahr sind möglich, und für das Standardprodukt sind die Effektivkosten auf 1 Prozent begrenzt.

Damit werden viele kleine Verträge zum Geschäft. Wirtschaftlich tragen sie nur, wenn Abschluss, Zulagenverwaltung und Betreuung weitgehend automatisiert laufen und die Beratung sich auf die Momente konzentriert, in denen sie den Unterschied macht. Der Bestand hilft dabei: Sparkassen kennen Einkommen, Lebensphase und bestehende Verträge ihrer Kundinnen und Kunden und können gezielt ansprechen, statt breit zu streuen.

Vertiefung: KI in der Vermögensberatung · Erbschaftswelle und Generationenmanagement · Bestandskunden aktivieren

Fusionen und Verbundlösungen setzen auf eigene Prozesse auf

Fusionen bleiben Teil des Alltags. Laut zeb sank die Zahl der Sparkassen 2025 um sieben, bei sechs Zusammenschlüssen. Wer fusioniert, migriert Systeme und Daten, und jede Migration geht schneller, wenn Prozesse vorher harmonisiert sind.

Für KI gilt dasselbe. Verbundlösungen wie der S-KIPilot oder die Rahmenvereinbarung der DSV-Gruppe mit OpenAI geben allen Sparkassen Zugang zu leistungsfähigen Modellen. Den Unterschied macht, wie gut die eigenen Abläufe, Daten und Zuständigkeiten darauf vorbereitet sind. Eigenentwicklungen lohnen sich dort, wo der Verbund keine Lösung bietet und der Nutzen klar belegt ist.

Vertiefung: Erst Prozesse harmonisieren, dann migrieren · Fusionsfähig ohne Fusionsbeschluss · Verbundlösung oder Eigenentwicklung

Was sich je Sparkasse unterscheidet

  • Große Sparkassen haben eigene Teams für Daten und KI und können Anwendungsfälle selbst entwickeln. Ihre Aufgabe ist die Steuerung vieler Initiativen.

  • Mittlere und kleinere Sparkassen setzen überwiegend auf Verbundlösungen. Ihr Hebel liegt in Nutzung, Befähigung und sauberen Abläufen.

  • Sparkassen in oder nach einer Fusion verbinden Harmonisierung, Migration und KI am besten in einem Vorgehen, statt sie nacheinander anzugehen.

Fünf Fragen, die das Management jetzt klären sollte

  • In welchen drei Aufgaben spart KI unseren Beraterinnen und Beratern heute messbar Zeit?

  • Wie hoch ist die tatsächliche Nutzung der ausgerollten KI-Assistenten, je Bereich und Rolle?

  • Welches Erfahrungswissen geht bis 2030 mit dem Ruhestand verloren, und wo ist es dokumentiert?

  • Mit welchen Abläufen tragen wir viele kleine Verträge im Altersvorsorgedepot wirtschaftlich?

  • Welche Prozesse sind so beschrieben, dass sie sich automatisieren oder in eine Fusion überführen lassen?

Die nächsten Schritte

  • Nutzung der vorhandenen KI-Assistenten erheben und die drei wirksamsten Anwendungsfälle je Rolle festlegen

  • Wissensbasis für den Assistenten prüfen und Verantwortung für ihre Pflege klären

  • Schlüsselwissen der nächsten Ruhestandsjahrgänge erfassen und in Abläufe und Wissensbasis überführen

  • Abschluss- und Betreuungsstrecke für das Altersvorsorgedepot vom Antrag bis zur Zulage durchgehen

  • Ein bis zwei Prozesse mit viel Handarbeit auswählen und Automatisierung im Tagesgeschäft erproben

Häufige Fragen

Reichen die Verbundlösungen für KI in der Sparkasse aus?

Für die meisten Anwendungsfälle bieten sie eine gute Grundlage. Ob sie Wirkung entfalten, hängt an Wissensbasis, Abläufen und Befähigung in der eigenen Sparkasse.

Ersetzt KI Stellen in der Sparkasse?

In erster Linie hilft KI, Lücken aus dem Generationenwechsel zu schließen und Beraterzeit freizuspielen. Entscheidend ist, welche Aufgaben sie übernimmt und wie die gewonnene Zeit genutzt wird.

Wo fängt eine Sparkasse am besten an?

Bei Aufgaben mit viel Handarbeit und klarem Nutzen, etwa in der Gesprächsvorbereitung oder der Marktfolge, und mit einer Messung, ob die Lösung im Alltag genutzt wird.

Veränderung beginnt mit einem ersten Gespräch. Wir freuen uns darauf.

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